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Multimedia Kontor Hamburg, MMKH (2005)

Hochschulen im Digitalen Wandel. Chancen, Trends, Praxis

From Multimedia Kontor Hamburg

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Related Topics: Institutional Strategies

Review by: Robes, Jochen (2005-01-25)

Die Agenda der Hochschulen ist voller geworden: Auf ihr steht heute nicht nur die Einführung von e-Learning oder die Implementierung einer hochschulweiten Lernplattform, sondern das Projekt einer informationstechnischen Modernisierung und Digitalisierung. Dahinter steckt nichts Geringeres als die digitale Vernetzung von Hochschulmanagement sowie Lehre und Forschung. Zukunftsmusik? Auf der zweiten Konferenz Campus Innovation, die vom 30.9.–1.10.2004 in Hamburg stattfand, versuchte man, beiden Facetten dieser Modernisierung gerecht werden, wie dem vorliegenden Tagungsbericht zu entnehmen ist.

Die Broschüre enthält Stellungnahmen deutscher und internationaler Experten zum Stand der Digitalisierung der Hochschulen in Deutschland. Praktiker fassen ihre Erfahrungen zur e-Learning-Didaktik sowie zur Planung, Durchführung und Vermarktung von e-Learning-Projekten zusammen. Ein weiteres Kapitel widmet sich der technischen Seite von e-Learning: vom „Wireless-Campus“, Lernplattformen und Autorenwerkzeugen, bis zum konkreten „e-Learning Baukasten“. Abschließend werden verschiedene, überwiegend vom E-Learning-Consortium Hamburg (ELCH) geförderte Initiativen vorgestellt.

Wie immer, wenn Konferenzen zusammengefasst werden, gibt es auch hier viele Beiträge, die selbstbewusst das bereits Erreichte hochhalten. Und andere, oft spannendere, die darauf hinweisen, welche Aufgaben noch zu lösen sind, um dem proklamierten Ziel der Modernisierung und Digitalisierung näher zu kommen. Zu denen gehört z. B. das Interview mit Walter Ch. Zimmerli, dem Gründungsrektor der Volkswagen AutoUni. Zuerst widerspricht Zimmerli dem Fragesteller, indem er insistiert, dass Bildung selbstverständlich zu den Kernkompetenzen jedes zukunftsorientierten Konzerns gehört. Dann kritisiert er, dass die Universitäten „mit einem seit 200 Jahren völlig veralteten Wissens- und Kompetenzmodell“ arbeiten; und zu guter Letzt sagt Zimmerli, dass es „e-Learning an sich“ gar nicht gibt und führt – allerdings wenig überraschend oder originell – die Blended Learning-Angebote der AutoUni an. Weitere kritische Stimmen kommen von Allan J. Cristensen, demzufolge es den deutschen Hochschulen noch an einer umfassenden „Digitalisierungsstrategie“ fehlt; und von Andreas Breiter, der darauf hinweist, dass die heutigen Supportstrukturen „weder didaktisch noch technisch“ für eine konsequente Verschmelzung von Lehre und e-Learning ausgelegt sind.

Der Modernisierungsdruck, unter dem die Hochschulen derzeit stehen, wird vielleicht am deutlichsten, wenn man sieht, wie häufig die Formel der „Public-Private-Partnerships“ in diesem Tagungsbericht benutzt wird: Sie steht sowohl für die vermehrten Versuche der Hochschulen, ihre (e-Learning-) Angebote auf dem freien Bildungsmarkt neuen Zielgruppen zu verkaufen, als auch für den Wunsch nach weiteren Kooperationen von Wirtschaft und Hochschulen. Zwar überwiegt die Zahl derer, die die Notwendigkeit dieser Ausrichtung unterstreichen. Es kommen aber auch mahnende Stimmen wie die des Bremer Informatikers Herbert Kubicek zu Wort, der zurzeit „keine nennenswerte(n) zusätzliche(n) Einnahmen“ aus der Vermarktung von e-Learning-Angeboten erwartet.

Abschließend: Dieser Tagungsbericht unterstreicht, dass es um mehr als „nur“ e-Learning geht, wenn auch die Beispiele für dieses „mehr“ der Modernisierung und Digitalisierung heute noch überwiegend in der Planungsphase sind. Zusammen mit denen in 2004 erschienenen Reports und Studien zum Thema „e-Learning an deutschen Hochschulen“ (Kubicek/Breiter/Fischer/Wiedwald: Organisatorische Einbettung von E-Learning an deutschen Hochschulen; BMBF: Kursbuch eLearning 2004; mmb Institut für Medien- und Kompetenzforschung und Multimedia Kontor Hamburg: E-Learning an deutschen Hochschulen – Trends 2004), hat man mit diesem Bericht einen guten und aktuellen Überblick über den Stand der Modernisierung.