Multimedia Kontor Hamburg, MMKH; Institut für Medien- und Kompetenzforschung, MMB (2004)
E-Learning an deutschen Hochschulen – Trends 2004
From MMB – Institut für Medien- und Kompetenzforschung
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Review by: Robes, Jochen (2004-09-10)
Mit dem Ende oder Auslaufen vieler eLearning-Förderprogramme im Hochschulbereich rückt gegenwärtig die Frage nach ihrer Nachhaltigkeit in den Vordergrund: Es geht um den Stand der Integration von eLearning in Organisation und Lehre und um seine Akzeptanz bei Lehrenden und Studierenden.
Das Multimedia Kontor Hamburg und das Essener MMB Institut für Medien- und Kompetenzforschung haben deshalb im Frühjahr 2004 alle 331 deutschen Hochschulen nach Verbreitung und Bedeutung computergestützter Lernformen befragt. Angeschrieben wurden die Leiter oder Leiterinnen von Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogischen Hochschulen u. a. 95 Hochschulen haben Rückmeldung gegeben. Um den jeweiligen Grad der Computerunterstützung zu erfassen, unterschied die Befragung vier Veranstaltungstypen: reine Online-Studiengänge, Blended-Learning-Arrangements, Lehrveranstaltungen mit Online-Unterstützung und reine Präsenzlehre.
Die wichtigsten Ergebnisse: Zwar setzen 86 von 95 befragten Hochschulen den Computer in ihren Lehrveranstaltungen ein. Doch bei den Lernangeboten handelt es sich in den meisten Fällen um Präsenzveranstaltungen mit Online-Unterstützung (an 63 Hochschulen). Blended-Learning-Konzepte (an 40 Hochschulen) oder gar reine Online-Studiengänge (an 22 Hochschulen) sind immer noch selten zu finden. Nimmt man hinzu, dass laut Aussagen der Befragten diese Angebote von nicht mehr als 5 Prozent der Studierenden genutzt werden, dann wird nachvollziehbar, warum die Autoren festhalten, dass gegenwärtig „von einer flächendeckenden Virtualisierung der Hochschullehre noch keine Rede sein kann“.
Des Weiteren ergab die Befragung, dass computeraffine und hoch frequentierte Studiengänge wie Informatik, Mathematik, Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften eine Vorreiterrolle beim eLearning-Einsatz einnehmen. Dabei genießen nach Ansicht der Befragten computergestützte Lernformen bei Studierenden derzeit noch eine höhere Akzeptanz als bei Lehrenden. Das gilt insbesondere für Universitäten und andere staatliche Hochschulen. Geht es um den Vergleich von computergestützten und traditionellen Lehrveranstaltungen, so schätzt heute bereits mehr als die Hälfte der Hochschulvertreter die Lernerfolge beider Vermittlungsformen als gleichwertig ein. Für 2007 wird ein noch positiveres Bild von der eLearning-Nutzung gezeichnet. Zwei Drittel der Befragten schreiben eLearning darüber hinaus eine wichtige bzw. herausragende Rolle bei den strategischen Überlegungen zur künftigen Entwicklung der jeweiligen Hochschule zu.
Auf der Grundlage dieser Ergebnisse identifizieren die Autoren drei Hochschultypen, die sich in ihrem eLearning-Engagement voneinander abgrenzen lassen: Die Vorreiter (15 Hochschulen) sprechen computerunterstützten Lernformen eine hohe Bedeutung zu und setzen sie auch bereits in größerem Umfang ein. In dieser Gruppe sind große bzw. mittlere Fachhochschulen und Universitäten vertreten, die sich überwiegend in den alten Bundesländern befinden. Die Theoretiker (52) schreiben eLearning zwar eine große Bedeutung zu, besitzen aber kaum oder gar keine Erfahrung im eLearning-Einsatz. Die Gruppe der Skeptiker (15) setzt keine computergestützten Lernformen ein und misst diesen auch nur geringe Bedeutung zu.
Die Ergebnisse der Studie unterstreichen, dass die Investitionen in eLearning-Programme und -Projekte noch nicht die dauerhaften Resultate gebracht haben, die man sich von ihnen versprochen hat. Sie zeigen aber auch den breiten Konsens, wenn es um die wichtige Rolle geht, die eLearning zukünftig im Hochschulangebot spielen wird. Somit wird bestätigt, was auch in amerikanischen und europäischen Untersuchungen (Sloan Consortium, Europäische Kommission) zum Einsatz von eLearning im Hochschulbereich festgestellt wurde. Ob die Ergebnisse in Deutschland auch oder gerade mit den bestehenden Hochschulstrukturen in Verbindung gebracht werden müssen, wie es z. B. von Herbert Kubicek u. a. (Organisatorische Einbettung von E-Learning an deutschen Hochschulen, 2004) diskutiert wird, darf vermutet werden.
Auch an anderer Stelle kann die vorliegende Befragung, wie die Autoren selbst einräumen, nur ein erster Schritt sein: Denn erst eine Befragung der Lehrenden und Studierenden selbst kann Aufschlüsse über deren eLearning-Akzeptanz bringen. Und dort, wo die Befragten eLearning eine wichtige Rolle in der strategischen Ausrichtung ihrer Hochschule zuschreiben, möchte man gerne wissen: Welche? Das mögliche Spektrum reicht schließlich von der Kostensenkung, über die Erschließung neuer Bildungsmärkte bis zum Paradigmenwechsel in Lehre und Lernen.