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Gaiser, Birgit; Hesse, Friedrich W.; Lütke-Entrup, Monika (2007)

Bildungsportale. Potenziale und Perspektiven netzbasierter Bildungsressourcen

Oldenbourg Wissenschaftsverlag.

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Review by: Schaffert, Sandra (2008-02-14)

Netzbasierte Bildungsressourcen und Bildungsportale

Der Computer und das Internet wurden von Pädagogen lange Zeit v.a. als Übermittler von Lernprogrammen bzw. als Kommunikationsplattform wahrgenommen. In den letzten Jahren, nicht zuletzt durch die Erfolge von Wikipedia und anderen Wissensdatenbanken und Fachangeboten, rücken die Möglichkeiten des World Wide Webs als Quelle für Informationen und Bildungsressourcen in das Interesse der Bildungspraxis: Immer mehr Bildungsportale und netzbasierte Bildungsressourcen sind zu finden und verzeichnen steigende Nutzerzahlen.

Hintergrund & Konzept

„Welches sind die zentralen Herausforderungen bei der Gestaltung und Bereitstellung netzbasierter Bildungsressourcen? Wie können diese Ressourcen in Bildungsprozesse integriert werden?“ (S. VII) – Diesen beiden Fragen gehen Autorinnen und Autoren in 17 Beiträgen auf 250 Seiten nach. Die Herausgeber Dr. Birgit Gaiser (Institut für Wissensmedien, Tübingen), Prof. Dr. Dr. Friedrich W. Hesse (Universität Tübingen) und Dr. Monika Lütke-Entrup (Robert Bosch Stiftung, Stuttgart) haben die Beiträge dazu in vier Abschnitte – zum Portaldesign, zu einzelnen Portalbausteinen, zu unterstützenden Maßnahmen sowie Trends – gegliedert.

Zum Inhalt

Fünf Beiträge beschäftigen sich mit dem „Portaldesign – Von der Idee zur Konzeption“. Hier gibt Karl Wilbers einige hilfreiche Hinweise zu Design und Evaluation von Bildungsportalen. Birgit Gaiser und Benita Werner berichten über die Qualitätssicherung beim Aufbau und Betrieb eines Bildungsportals am Beispiel E-Teaching.org. Jan Hylen (OECD) weist in einem englischsprachigen Beitrag auf die Existenz und Chancen von offenen Lernmaterialien (Open Educational Resources) hin. Aemilian Hron und Sieglinde Neudert vergleichen 16 internationale Schul- und Bildungsportale hinsichtlich ihrer Themen und funktionaler Umsetzung (z. B. die Möglichkeiten der Suche oder der Personalisierung). Das Studienportal der Universität Duisburg-Essen dient Jörg Stratmann und Michael Kerres als Bezugsbeispiel für „Organisatorische Rahmenbedingungen für netzbasierte Bildungsressourcen“.

Der folgende Abschnitt nimmt die Gemeinschaft der Portalnutzer (Community) und die Anpassung an persönliche Präferenzen (Personalisierung) als wesentliche „Bausteine“ von Portalen in den Fokus und umfasst vier Beiträge. Stefanie Panke, Joachim Wedekind und Simone Haug betrachten „Bildungsportale als Infrastrukturen für Wissensmanagement und Community-Building“ und stellen eine Analyse von 29 Websites mit Hilfe von 90 Items vor, leider ohne die Ergebnisse im Detail vorzustellen (wohl aus Platzmangel). Wie man eine Gemeinschaft von Nutzern eines Bildungsportals aufbauen und pflegen kann, zeigt Benjamin Birkenhake am Beispiel des ZEIT Campus. Stephan Mosel beschreibt den BildungsBlog als Community-Plattform. Als drittes Beispiel stellt Richard Heinen Lehrer-Online vor. Der dritte Teil des Buchs umfasst „Blended Concepts – Integration netzbasierter Bildungsressourcen in Supportmaßnahmen“. In diesem Abschnitt beschäftigen sich Simone Haug und Birgit Gaiser mit „zielgruppenspezifischer Qualifizierung“ und beziehen sich dabei wieder auf das Beispiel E-Teaching.org. André Schüller-Zwierlein und Fabian Franke beschreiben das Portal Informationskompetenz.de als Infrastruktur für die Vermittlung von Informationskompetenz an deutschen Bibliotheken. Heinz Mandl, Katrin Winkler und Bernd Heuser berichten darüber, wie in einem Pharmaunternehmen E-Learning implementiert wurde. Da dieser Beitrag nicht die Nutzung von Bildungsportalen oder anderen frei zugänglichen Lernressourcen behandelt, sondern es hier um Webbased Training (WBT) bzw. virtuelle Seminare innerhalb eines Pharmaunternehmens geht und wie diese mit Präsenztrainings und anderen Veranstaltungen unterstützt und ergänzt werden, passt er nicht zu den anderen Beiträgen des Buchs.

Der letzte Teil des Buches beschäftigt sich mit Trends. Ganz allgemein führt Klaus Birkenbihl hier Web 2.0 und das Semantic Web ein, indem er sich u. a. auf Unterschiede von html und xhtml bezieht. Andreas Schmidt beschreibt Potentiale semantischer Technologien für Portale und geht dabei im Wesentlichen auf die Erstellung von Ontologien ein. Jan Pawlowski stellt übersichtlich vorhandene Standards für E-Learning-Portale vor. Auf die Möglichkeiten und Potenziale von Social Software für Bildungsportale weist Jan Schmidt hin. Das Buch schließt mit einem Beitrag von Reinhard Keil und Harald Selke über Portale als „Mittel der ko-aktiven Wissensorganisation“.

Kommentar

Man ist zwar gewohnt, dass insbesondere im Bereich des „E-Learnings“ viele englische Anleihen genommen werden und manche Sätze gespickt sind mit „Downloads“, „online“ und „E-Mails“. Schade, dass auch in diesem Buch ein Abschnitt mit „Blended Concepts – Integration netzbasierter Bildungsressourcen in Supportmaßnahmen“ überschrieben wurde und damit nach meinem Geschmack zu viele bzw. überflüssige Anleihen aus dem Englischen genommen wurden. Schade auch, dass 28 „Webseiten“ untersucht werden, aber nicht „Webpages“ sondern wohl „Websites“ gemeint sind (S. 86). Doch das ist bestimmt kleinlich ;-)

Empfehlenswert!

Das Buch gibt einen guten Überblick über Bildungsressourcen und -portale und ist allen, die Bildungsportale planen oder betreiben, zu empfehlen.Schade, dass sich ein paar der Beiträge nicht explizit auf das Thema der Bildungsportale einlassen während andere Beiträge (insbesondere die zu Studien) zu kurz erscheinen. Angesichts des Literatur- und Forschungsstandes zu der vergleichsweise neuen Thematik muss man sich jedoch auch nicht wundern, wenn die Herausgeber auf die interessanten und gut gewählten Praxisbeispiele ausweichen.