Stegbauer, Christian; Jaeckel, Michael (2007)
Social Software. Formen der Kooperation in computerbasierten Netzwerken
VS Verlag für Sozialwissenschaften
Review by: Schaffert, Sandra (2008-02-01)
Social Software
Mit dem Begriff „Social Software“ werden Internetanwendungen bezeichnet, die die Zusammenarbeit und das (gemeinsame) Erstellen von Inhalten unterstützen. Dazu gehören also Wikis, Weblogs, aber auch Online-Communitys und -Portale wie Flickr (Fotos) oder YouTube (Videos). Für Bildungspraktiker(innen) und -forscher(innen) ergeben sich mit diesen Entwicklungen neue Herausforderungen und Möglichkeiten für das Lernen wie auch den Unterricht.
Hintergrund
Das Sammelband „Social Software. Formen der Kooperation in computerbasierten Netzwerken“ umfasst zehn Beiträge sowie ein kurzes Editorial. Die Herausgeber Dr. Christian Stegbauer (Universität Frankfurt) und Prof. Dr. Michael Jäckel (Universität Trier) haben hier v.a. auf Beiträge bzw. Beitragende eines Treffens der Sektion Kommunikations- und Mediensoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie im Herbst 2006 zurückgegriffen. Das Buch betrachtet somit Social Software aus soziologischer Perspektive, laut Klappentext werden „auch die Herausforderungen für die Medien- und Kommunikationsforschung“ thematisiert.
Inhalte
Die Beiträge beschäftigen sich mit unterschiedlichen Facetten von Anwendungen und Szenarien von Social Software aus soziologischer Perspektive.
- Die Herausgeber geben zunächst einen kurzen Überblick über die Artikel.
- Gerd Sebald befasst sich so mit den Besonderheiten der Online-Kooperationen von Entwicklern im Bereich der freien bzw. offenen Softwareentwicklung (Open Source).
- Daniel Tepe und Andreas Hepp untersuchen, inwieweit die Open-Source-Bewegung bzw. einzelne Netzwerke sich „auch als seine deterritoriale politische Vergemeinschaftung mit weitergehenden Zielen“ verstehen.
- Hubertus Niedermaier diskutiert in seinem Beitrag, ob und wie Kooperationen im Internet auch Öffentlichkeit herstellen, also als mehr als eine virtuelle Parallelwelt zu betrachten sind.
- Jan Schmidt beschreibt das weblog-basierte Netzwerk „twoday.net“ mit netzwerkanalytischen Kennzahlen und Merkmalen.
- Steffen Albrecht, Rasco Hartig-Perschke und Maren Lübcke untersuchen die Wirkung von Weblogs im deutschen Bundeswahlkampf 2005.
- Die Ergebnisse zu einer Umfrage zum Einsatz von Social Software in Unternehmen stellt Thomas Döbler vor.
- Florian Mayer und Dennis Schoeneborn beschreiben Charakteristika des Einsatzes der Wikitechnologie in der Organisationskommunikation.
- Wer wie Gesundheitsinformationen im Internet nutzt, untersuchen Nicole Zillien und Thomas Lenz und legen dazu interessante Daten vor.
- Arnika Tipp beschäftigt sich mit Instant Messaging aus interaktionssoziologischer Perspektive und bringt dies auf den Nenner „Doing beeing present: zentrierte Aufmerksamkeit und textualisierte Darstellungen“ (S. 188).
- Auch Online-Rollenspiele sind Orte der Kooperation: Nina S. Müller betrachtet Teilnehmer und Formen.
- Gerald Beck, Astrid Engel und Cordula Kropp zeigen auf, wie mit Hilfe von internetbasierten Wissenskartierungen systemische Risiken, die sich durch eine hohe Komplexität und Unüberschaubarkeit auszeichnen, transparenter darzustellen und aufzuzeigen.
Neues für die Bildungsforschung...
Nun haben die Autoren und Herausgeber des Buchs nicht Bildungsforscher(innen) im Blick. Wie können diese dennoch vom Buch profitieren? Den Herausgebern zufolge gibt der Sammelband „einen weiteren Einblick in Prozesse sozialen Wandels, die maßgeblich durch Technologien und Technologieanwendungen vorangetrieben werden“ (S. 10). Soziologisches Vorwissen, z. B. im Bezug auf Theorien oder Fachtermini, wird nur in einem Teil der Beiträge vorausgesetzt.
Lernen und Bildung durch und im Internet finden jedoch nicht nur „direkt“ durch webbasierte Seminare und Lern-Communitys statt: Social Software und die Auswirkungen ihres Einsatzes auf unsere Gesellschaft und ihre Kultur wirkt sich auch indirekt auf Bildungsprozesse aus: Wer hat nicht schon selbst eine medizinische Diagnose und/oder therapeutische Möglichkeiten mit Hilfe des Internets aufzuklären versucht? Haben Einträge in Weblogs Sie schon mal in Ihrer politischen Meinungsfindung beeinflusst? Wie wirkt sich die Nutzung eines Firmen-Wikis zur Verbesserung der Dokumentation und des Informationsmanagement auf das eigene Wissensmanagement und Tool-Verwendung aus?
Wie bei vielen Sammelbänden ist es schade, dass Bezüge zwischen den Texten und ausführliche einführende Beiträge bzw. Übersichten zu den unterschiedlichen Themen weitgehend fehlen. Die ganz unterschiedlichen Themen zeigen jedoch eindrucksvoll, wie das Internet und Social Software den Alltag von vielen verändert hat und regt an, über weitere Phänomene und Aktivitäten nachzudenken und welche Auswirkungen diese auf die Gesellschaft und ihr Lernen sowie ihre Lernenden haben. Das Buch ist zu empfehlen!