Kleimann, Bernd; Wannemacher, Klaus (2005)
E-Learning-Strategien deutscher Universitäten
From HIS – Hochschul-Informations-System GmbH
Review by: Robes, Jochen (2005-09-04)
Die Ausgangslage ist bekannt: Nach Jahren, in denen es vorrangig um die Entwicklung und Umsetzung einzelner E-Learning-Projekte ging, rücken strategische Fragestellungen in den Vordergrund. Die Zeit des Experimentierens scheint vorbei. Große Förderprojekte des BMBF laufen aus. Jetzt geht es um die Frage, welchen konkreten Beitrag E-Learning zur Realisierung der strategischen Entwicklungsziele der Hochschulen leisten kann.
Vor diesem Hintergrund stellt das HIS, das Hochschul-Informations-System, die E-Learning-Strategien von acht deutschen Universitäten vor: Berlin, Bremen, Darmstadt, Dresden, Freiburg, Hamburg, Osnabrück, Stuttgart sind die Stationen. Neben renommierten Einrichtungen wie Darmstadt („Dual Mode TUD“) und Stuttgart („campus online education“) stehen solche wie die TU Dresden, über deren E-Learning-Aktivitäten bis heute wenig bekannt war.
Die Informationen über die ausgewählten Hochschulen werden in jeweils fünf Kapiteln dargestellt: Hochschulprofil, E-Learning-Strategie, Organisationseinheiten, Technik, Programme und Projekte.
Dabei wird deutlich, dass bis heute fast alle Universitäten ihre Entwicklungsziele im E-Learning-Bereich in entsprechenden Strategiepapieren festgehalten haben. Allerdings gehen nur wenige so weit wie die TU Darmstadt, die den E-Learning-Anteil auf 30% der Lehrveranstaltungen steigern möchte. Dagegen läßt sich die Entwicklung einer Organisationseinheit, die als E-Learning-Kompetenzzentrum die Online-Aktivitäten hochschulübergreifend bündelt und eine zentrale Anlaufstelle für Lehrende bietet, an allen Hochschulen beobachten. Die E-Learning-Kompetenzzentren tragen oftmals auch die Verantwortung für die Vermarktung der hochschuleigenen E-Learning-Angebote und Services und die Entwicklung entsprechender Geschäftsmodelle. Allerdings, darauf verweisen die Autoren in ihrem Fazit, handelt es sich hier für die Betroffenen häufig um „unbekannte(s) Terrain“ (7).
Differenzierter wird das Bild, wenn es z. B. um die technische Lerninfrastruktur geht: Während einige Hochschulen mit kommerziellen Lernplattformanbietern zusammenarbeiten (Blackboard, Saba, WebCT, imc), setzen andere auf Open Source-Lösungen (ILIAS, Stud.IP). Einige Universitäten stehen auch zu einem Nebeneinander verschiedener, kommerzieller und offener Lösungen. In den Vordergrund, auch wenn es nur in einigen dieser E-Learning-Profile erwähnt wird, rückt das Thema der organisatorischen Verknüpfung von Hochschulverwaltungssystemen und Lernplattformen.
Ein anderer Punkt, der immer wieder als Herausforderung bei der E-Learning-Implementierung auftaucht, ist die Medienkompetenz der Lehrenden. Zwei Beispiele: So heißt es in der Darstellung der E-Learning-Strategie der FU Berlin: „Eine weitere Hürde ist auch das Authoring (Erstellung von Content), das gewisse softwaretechnische Kenntnisse bei den Lehrenden voraussetzt, die oft nicht gegeben sind.“ (18) Und in der Zusammenfassung zur Universität Bremen: „Die Funktion des Hochschullehrers verändert sich zunehmend in Richtung eines Wissensmanagers und Moderators von Wissensprozessen, wobei die adäquate Nutzung der neuen Medien eine wichtige Rolle spielt.“ (30) Einige Universitäten versuchen deshalb, verschiedene Anreize (z. B. Medienpreise, Best-E-Teaching-Awards, Gütesiegel) zu setzen, um die Hochschullehrenden für den Einsatz von E-Learning zu gewinnen.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass dieser Report vor allem durch seine Systematik und Details beeindruckt. Man erfährt (fast) alles über die Chronologie der Ereignisse an den ausgewählten Hochschulen, die öffentlichen Förderprogramme, die eingesetzten Ressourcen, um E-Learning nachhaltig zu verankern und die geplanten Schritte der nächsten Jahren. Er bietet so eine sinnvolle Ergänzung zu Arbeiten wie z. B. von Sabine Seufert und Dieter Euler, die die Strategien einzelner Hochschulen zu verschiedenen Implementierungsmodellen zusammengefasst haben.