Albrecht, Rainer; Frommann, Uwe; Phan Tan, Thanh-Thu (2005)
Integrierte e-Learning-Services als Grundlage von qualifiziertem e-Learning an Hochschulen: Das Beispiel Hannover-Braunschweig
Zeitschrift für Hochschuldidaktik, No. 3, pp. 64–79
Related Topics: Competence Development in Higher Education
Review by: Schönwald, Ingrid (2005-06-13)
Der Artikel beschreibt den Handlungsansatz des e-LearningService Teams (eST) an der Universität Hannover. Das eST unterstützt als zentrale Servicegruppe die am ELAN (e-Learning Academic Network Niedersachsen) beteiligten Hochschulen bei der Umsetzung von e-Learning Vorhaben.
Ausgehend von der Frage „Wie können die Lehrenden und deren institutioneller Hintergrund bei der Integration von e-Learning in der Hochschullehre unterstützt werden?“ definieren die Autoren zunächst folgende Kompetenzanforderungen an Lehrende als Voraussetzung für die Entwicklung von ‚qualifiziertem e-Teaching‘:
- eine solide didaktische Grundausbildung
- technisches Verständnis und entsprechende Handhabungskompetenzen
- die Fähigkeit, komplexe Projekte zu entwickeln
- die Fähigkeit zur Steuerung von Teamprozessen
- die Fähigkeit, Medien und Lernumgebungen lernförderlich und motivierend zu gestalten
Die Entwicklung dieser ‚eKompetenzen‘ erachten die Autoren für notwendig, um e-Learning auf einer breiten Basis an Hochschulen zu etablieren. Dies erfordert eine systematische Personalentwicklung, aber auch Massnahmen der Organisationsentwicklung. Damit die Integration dieser beiden Entwicklungslinien gelingen kann, muss sich ein neues Zusammenspiel zwischen Dienstleistern und Hochschullehrenden entwickeln.
Die Autoren beschreiben im Folgenden als Beispiel für diesen integrativen Ansatz das Gestaltungskonzept des e-LearningService Teams (eST) an der Universität Hannover. Die Supportangebote des eST wurden in Anlehnung an Rogers diffusionsförderliche Merkmale von Innovationen organisiert:
- Um den Vorteil von e-Learning erkennbar zu machen, wird eine Mehrwertanalyse in Erstgesprächen durchgeführt.
- Um e-Learning als einfach benutzbare Innovation zu vermitteln, werden realitätsnahe e-Learning-Szenarien in einer e-Learning-Infothek vorgestellt.
- Um e-Learning einfach testbar zu machen, steht die praktische Erprobung in Schulungsveranstaltung im Vordergrund.
- Um Erfolge mit e-Learning beobachtbar zu machen, wird ein Repository mit praktischen Beispielen aufgebaut
Eine Befragung unter 35 Lehrenden brachten zwei interessante Befunde hinsichtlich der Akzeptanz der Supportangebote:
- Supportangebote, die dem eigenen fachwissenschaftlichen Hintergrund der Dozierenden nahe stehen, findet bei diesen grössere Akzeptanz als fachwissenschaftlich fremde Angebote. Beispielsweise bevorzugen Ingenieure technikorientierte Angebote, Geisteswissenschaftler didaktische Angebote.
- Diejenigen Dozierenden, welche sich über die qualitätsverbessernden Potentiale von e-Learning ausgesprochen optimistisch äusseren, fragen Beratungs- und Schulungsangeboten unterdurchnittlich nach und halten Unterstützungsangebote für weniger erforderlich.
Die Befragungsergebnisse deuten auf kulturelle Hemmnisse bei der Akzeptanz von Supportangeboten hin, die auf Vorbehalte von Dozierenden gegenüber Beratung von Fachfremden beruhen. Eine zentrale Aufgabe von e-Learning-Services ist daher die Überwindung von disziplinspezifischen Abgrenzungen. Als Beispiel skizzieren die Autoren die Grundzüge der Serviceleistungen des eSt:
- Integrierte Services durch eine Bündelung von Serviceangeboten und Kooperation zwischen den Kompetenzträgern
- Zielgruppengerechte Schulungsangebote in Grundlagen- und Anwendungskursen
- Administration der Services mit Hilfe eines‚Trouble Ticket System‘, durch das Anfragen zentral erfasst und dezentral abgearbeitet werden.
- Strukturiertes Beratungskonzept für das Erstgespräch nach dem Prinzip der ‚konzeptionellen Veränderung‘
Einen wichtigen Aspekt für die dauerhafte Integration von e-Learning in der Hochschullehre sehen die Autoren in der Entwicklung einer aktiven Kommunikationsstrategie, die eine Hochschulkultur fördert, in der Lehrende sich bei der Gestaltung ihrer Lehre systematisch unterstützen lassen.
Das von den Autoren vorgestellte Supportkonzept des eST überzeugt durch ein ausgeprägtes Serviceverständnis und Zielgruppenorientierung, sowie die Berücksichtigung der kulturellen Dimension. Vor allem für Leiter und Mitarbeiter von eLearning Supportcentern an Hochschulen bietet die Lektüre dieses Artikels interessante Anregungen für die Gestaltung des eigenen Tätigkeitsfeldes.