Kubicek, Herbert; Breiter, Andreas; Fischer, Arne; Wiedwald, Christian (2004)
Organisatorische Einbettung von E-Learning an Hochschulen
From ifib – Institut für Informationsmanagement Bermen
Review by: Schönwald, Ingrid (2004-08-18)
Ziel dieser Studie ist die Entwicklung eines Rahmenmodells zur organisatorischen Einbettung von E-Learning in Hochschulen, die Darstellung praktischer Umsetzungsmöglichkeiten anhand von sechs Fallbeispielen an deutschsprachigen Hochschulen, sowie die Formulierung von Handlungsempfehlungen für die Gestaltung der organisatorischen Integration von E-Learning. Die Studie basiert auf einer Literaturrecherche, Experteninterviews mit E-Learning Akteuren im deutschsprachigen Raum und den Ergebnissen aus einem Expertenworkshop im März 2004 in Hamburg.
Als Ausgangspunkt ihrer Analyse und Zukunftsszenarium für deutsche Universitäten skizzieren die Autoren eine Dual-Mode University, in der Studierende bis zu 30 Prozent ihres Studiums mit telemedialen Veranstaltungen abdecken können. Das Modell von Nolan wird dargestellt, welches den Innovationsprozess von Technik als s-förmige organisationale Lernkurve mit den Phasen Initialisierung, Ansteckung, Steuerung, Integration versteht. Die Ausgangsbedingungen einer organisatorischen Einbettung von E-Learning an Hochschulen werden anhand der theoretischen Konzepte der organisierten Anarchie von Cohen und March sowie dem Konzept der lose gekoppelten Systeme von Weick reflektiert.
Das vorgestellte „Modell der organisatorischen Einbettung von E-Learning an Hochschulen“ umfasst drei Integrationsdimensionen:
- Aufgabenbereiche, z. B. Verwaltungsintegration, Curriculare Integration, Qualifizierung und pädagogischer Support, Content-Entwicklung, Betrieb, technischer Service und Support, Qualitätssicherung, Strategieentwicklung
- Organisationsformen für E-Learning, z. B. Gründung einer neuen Einrichtung, Vernetzung bestehender Einrichtungen, Erweiterung des Aufgabenbereiches bestehender Einrichtungen, Ausgliederung zu externen Dienstleistern oder übergreifenden Kompetenzzentren
- Reichweite der Angebote, unterscheidet drei Ebenen der Integration: Studiengänge bzw. Fachbereiche, hochschulweite Ebene, hochschulübergreifende Ebene
Sechs Fallbeispiele aus dem deutschsprachigen Raum werden hinsichtlich ihrer Organisationsform und ihres Leistungsspektrum dargestellt: Multimedia-Kompetenzzentrum an der Hochschule Bremen, Zentrum IT-Dienste an der Universität Paderborn, NewMediaNet der Universität Freiburg, FernUniversität Hagen, LearnTechNet der Universität Basel und die Multimedia Hochschulservice GmbH der Berliner Hochschulen. Die Autoren kommen zu dem Schluss, das für jede Hochschule die individuelle Situation entscheidend ist und somit kein allgemein gültiges Konzept entwickelt werden kann.
Als Fazit stellen die Autoren fest, dass eine Integration von E-Learning nur im Zuge einer Restrukturierung der Hochschule erfolgen kann. Sie stellen sechs Anforderungen zur Umbau der Hochschulen dar, welche sich an die Akteure auf verschiedenen Ebenen von den Bundesgesetzgeber bis zu den Hochschullehrenden richten.
- Kulturelle Revolution von einem lose gekoppelten Netzwerk autonomer Einheiten zu „Bildungs- und Forschungskonzernen“
- Integration in Massnahmen zur Qualitätssicherung und -entwicklung
- Hochschuldidaktische Innovation und neue Formen der Contententwicklung und -nutzung
- Professionelle Vermarktung von digitalen Lerninhalten
- Professionelles IT-Management
- E-Administration for E-Learning
Damit bietet die Studie interessante, umfassende Überlegungen zur organisatorischen Integration von E-Learning an deutschen Hochschulen und zeigt Potentiale und Barrieren bei deren Umsetzung auf.