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Arnold, Patricia; Kilian, Lars; Thillosen, Anne; Zimmer, Gerhard (2004)

E-Learning. Handbuch für Hochschulen und Bildungszentren

Nürnberg: BW Bildung und Wissen

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Keywords: Educational Method

Review by: Schönwald, Ingrid (2005-01-03)

Ziel dieses Handbuchs ist eine wissenschaftlich fundierte Unterstützung der Praxis bei der Realisierung virtueller Bildungsangebote. Es richtet sich an Personen, die sich mit der Bildungsplanung, der inhaltlichen und didaktischen Konzeption, der multimedialen Produktion sowie der Organisation, Betreuung und Qualitätssicherung von Bildungsangeboten in Hochschulen und beruflichen Bildungseinrichtungen befassen.

Die Publikation entstand aus der Evaluation der Gestaltungspraxis im Bundesleitprojekt „Virtuelle Fachhochschule für Technik, Informatik und Wissenschaft (VFH)“. Die Autoren begleiteten dieses Projekt im Rahmen des Arbeitspakets „Didaktik und Methodik telematischen Lehrens und Lernens (DIMETELL)“, indem sie die didaktisch-methodische Beratung, die formative und summative Evaluation, sowie die wissenschaftliche Begleitforschung übernahmen. Durch die Verbindung von wissenschaftlich fundierter Darstellung und kritisch reflektierter Praxiserfahrung möchten die Autoren einen Beitrag zum Theorie-Praxistransfer leisten. Dabei fokussieren sie bewusst eine didaktisch-methodische Sichtweise, berücksichtigen in ihren Betrachtungen aber auch die Perspektiven verschiedener Akteure bei der Gestaltung virtueller Bildungsangebote.

Ausgehend von der Feststellung, dass die meisten virtuellen Studienangeboten unter den Studierenden im deutschsprachigen Raum bisher nur geringe Akzeptanz finden, analysieren die Autoren konstituierende Faktoren von Bildungsprozessen im allgemeinen und von virtuellen Lehr- und Lernprozessen im besonderen. Basierend auf einem Verständnis von „Lernen als situierte soziale Handlung der Partizipation an gesellschaftlichen Praxisformen zur Gewinnung subjektiver Handlungskompetenz“ (S. 39) werden sechs Ansatzpunkte bei der Entwicklung virtueller Bildungsangebote zur Förderung einer neuen Lernkultur identifiziert: aufgabenorientierte didaktische Konzepte, Förderung autodidaktischer Kompetenzen, Förderung von Medienkompetenzen, Professionalisierung des Lehrens und Lernens, Gestaltung benutzerfreundlicher virtueller Lernmodule, sowie die Entwicklung lernförderlicher Zeitstrukturen. Diese Ansatzpunkte werden in sechs Handlungsfeldern spezifiziert, welche die weitere Strukturierung dieses Buches bilden: Die Gestaltung von virtuellen Lernräumen (Kap. 3), die Konzeption und Entwicklung virtueller Lernmodule (Kap. 4), die Gestaltung der tutoriellen Betreuung (Kap. 5), Qualitätsmanagement und Evaluation (Kap. 6), Standardisierung virtueller Bildungsangebote (Kap. 7) sowie die Nachhaltigkeit virtueller Bildungsangebote (Kap. 8). In jedem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen des jeweiligen Gestaltungsfeldes dargestellt, konkrete Umsetzungsoptionen am durchgängigen Praxisbeispiel des VFH-Verbundprojekts veranschaulicht und praktische Gestaltungshinweise formuliert.

Ausgangspunkt für Kapitel 3 („Virtueller Lernraum“) ist die Frage nach der Gestaltung eines virtuellen Lernortes als Schnittstelle zwischen Technik und Didaktik. Die Autoren unterscheiden zunächst Lernplattformen als technische Infrastruktur, den Lernraum als pädagogische Nutzung dieser Infrastruktur und die Lernumgebung als „umgrenzender“ Lernraum. Um einen zentralen Arbeitsbereich, in dem die Lernmodule bearbeitet werden gruppieren sich nach ZIMMER in einem virtueller Lernraum sechs Funktionsbereiche: Angebot & Auskunft, Planung und Verwaltung, Mediathek und studentische Arbeitsergebnisse, Schnittstellen zu Anwendungssoftware, Kommunikation und Kooperation, sowie Prüfung & Evaluation. Die Reflexion der Praxiserfahrung aus dem VFH-Projekt zeigt die Herausforderungen bei der konkreten Gestaltung eines Lernraums aufgrund der unterschiedlichen Ansprüche der Beteiligten auf. Die Kompetenzentwicklung von Lehrenden und Lernenden sehen die Autoren als wichtigen Gestaltungsfaktor für die Akzeptanz von virtuellen Lernräumen.

In Kapitel 4 („Didaktische Konzeption“) geben die die Autoren zunächst eine Übersicht über verschiedene lerntheoretische Ansätze. Die weiteren Ausführungen orientieren sich auf der Basis eines subjektorientierten lerntheoretischen Ansatzes nach HOLZKAMP am Prinzip der aufgabenorientierten Didaktik nach ZIMMER. Ausgehend von Berufs- oder Forschungsaufgaben sind Lernaufgaben auszugliedern, welche den Kern der Lehr- und Lernhandlungen bilden, und durch deren Bearbeitung die angestrebten Handlungskompetenzen erzielt werden sollen (S. 111). Die Autoren stellen ein Phasenmodell zur Konzeption virtueller Lernmodule dar. Dabei werden vier Phasen (Konzept, Didaktische Struktur, Formale Struktur, Operationale Struktur) in neun Arbeitsschritte konkretisiert. Die Aufgaben in jedem Arbeitsschritt werden beschrieben und mit je einem Umsetzungsbeispiel aus verschiedenen Teilprojekten des VFH-Verbundprojektes illustriert.

Kapitel 5 („Online-Betreuung“) stellt die Bedeutung der Betreuung für die Akzeptanz und den Lernerfolg der Lernenden heraus. Zunächst werden auf unterschiedliche Rollendefinitionen hinsichtlich der Betreuungsaufgaben in der Praxis hingewiesen und zwei Konzepte zur Gestaltung der Betreuungsrollen mit unterschiedlichen personellen und finanziellen Rahmenbedingungen gegenübergestellt. Verschiedene Gestaltungsoptionen bei der Qualifizierung von Teletutoren werden diskutiert und das Konzept der Teletutorenschulung an der VFH als Praxisbeispiel dargestellt, sowie die Erfahrungen daraus kritisch reflektiert.

In Kapitel 6 („Qualitätsmanagement und Evaluation“) werden zunächst die Bedeutung von Qualitätsmanagementsystemen erkundet und zentrale Begrifflichkeiten (z. B. Evaluation, Akkreditierung, Zertifizierung) geklärt. Die Autoren schlagen ein fünfstufiges Vorgehen vor, um den kontextspezifischen Anforderungen an ein Qualitätsmanagementsystem von Bildungsangeboten gerecht zu werden (S. 183). Als Praxisbeispiel stellen die Autoren den dreistufigen Reviewprozess bei der Produktion virtueller Studienmodellen an der VFH dar, der sich auf den Prozessaspekt fokussiert. Bei der kritischen Reflexion dieses Vorgehens wird einerseits die kontextspezifische Anpassung als Vorteil herausgestellt, andererseits die damit verbundenen Herausforderungen der zeitlichen Koordination, der geringe Formalisierung, und der komplexen Organisationsstruktur dargestellt. Die Gestaltung des Qualitätsmanagements als Gradwanderung zwischen dem Streben nach durchgängigen Qualitätsstandards und einheitlichem Auftreten nach außen einerseits und der Autonomie und Profilbildung der einzelnen Hochschulen und Hochschullehrer andererseits wird anschaulich dargestellt.

Kapitel 7 („Standardisierung“) geht nach einer Klärung der Begrifflichkeiten auf die Vorteile und Grenzen von Standards ein. Einige Ansätze (z. B. LOM) werden kurz dargestellt und Herausforderungen bei der Implementierung von Standards skizziert. Die Beschreibung der Entwicklung projektinterner Standards und deren Integration in die Styleguides im VFH-Projekt illustrieren Umsetzungsmöglichkeiten und Implementationshürden.

Kapitel 8 („Nachhaltigkeit“) eröffnet nach der Vertiefung der einzelnen Gestaltungsfelder den Blick auf eine integrierte Sichtweise und erörtert Nachhaltigkeitsfaktoren in finanzieller, didaktischer, organisatorischer und qualitativer Dimension. Dabei werden folgende Aspekte einer Nachhaltigkeitsstrategie werden erörtert: Kostenführerschaft oder Differenzierung, aufgabenorientierte Didaktik, virtuelle Lerngemeinschaft, Infrastruktur, Studienstruktur und Qualitätssicherung.

Dieses Handbuch richtet sich durch die Auswahl der Praxisbeispiele und der thematischen Schwerpunktsetzung in erster Linie an Akteure im Hochschulbereich, wobei viele Aspekte auch für Bildungsverantwortliche in Unternehmen interessant sind. Das klar strukturierte Buch gibt einen fundierten und anwendungsorientierten Überblick über zentrale Gestaltungsfaktoren in virtuellen Bildungsangeboten. Durch die enorme Bandbreite der Themen können viele Aspekte zwar nur angeschnitten werden, was jedoch durch den Verweis auf relevante weiterführende Literatur und Links kompensiert wird. Besonders erfreulich an dieser Publikation ist, dass darin die vielfältigen Projekterfahrungen aus einem öffentlich geförderten Projekt auch öffentlich zugänglich gemacht werden.