Winand, Udo; Bohl, Oliver; Höfer, Andreas (2006)
Grundlagen zur Gestaltung von Geschäftsmodellen für akademische eBildungsdienstleistungen
Zeitschrift für Betriebswirtschaft, Vol. 2006, No. 2, pp. 63–84
Review by: Zellweger, Franziska (2006-03-16)
Der Beitrag von Prof. Winand und seinen Mitarbeitern am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der Universität Kassel wurde in einem Special Issue der Zeitschrift für Betriebswirtschaft zum Thema "E-Learning Geschäftsmodelle und Einsatzkonzepte" publiziert.
Der Artikel erarbeitet konzeptionelle Grundlagen für die Durchführung von Analysen von Geschäftsmodellen für akademische eBildungsdienstleistungen mit Fokus auf die Aus- und Weiterbildung.
In einem ersten Teil, welcher grundlegende Überlegungen zur Thematik präsentiert, werden als erstes Funktionen, also Dienstleistungen wie Contentproduktion, Content-Umsetzung, Betreuung oder Zertifizierung identifiziert. Diese Funktionen können auf unterschiedliche Weise zu eBildungsprodukten oder -angeboten (sog. Wertschöpfungsnetze) gebündelt werden.
Im zweiten Kapitel fokussieren die Autoren auf die Nachhaltigkeit solcher Wertschöpfungsnetze unabhängig von der Überlegung, wer die einzelnen Funktionen auch tatsächlich ausfüllt. Prinzipiell müssen wertschöpfungsnetz-externe Einnahmen generiert werden, um die Nachhaltigkeit eines Netzwerks zu garantieren. Natürlich müssen auch die einzelnen Funktionen zumindest zur nicht-negativen Cashflowerzielung in der Lage sein.
Im dritten Abschnitt werden nun die Rahmenbedingungen für die Gestaltung von Geschäftsmodellen identifiziert. Dabei werden die Zahlungsbereitschaftsfunktion der Kostenfunktion gegenübergestellt, um den ökonomisch nachhaltigen Bereich als Rahmenbedingung zu bestimmen. In einer Wettbewerbssituation gelingt es aber selten die maximale Zahlungsbereitschaft abzuschöpfen, vielmehr orientiert sich der durchsetzbare Marktpreis an den Mindestkosten. Folglich hängt der Erfolg, den ein Funktionswahrnehmer erlangen kann, auch vom eigenen Ressourcenprofil ab, welches einer kritischen Selbstanalyse unterzogen werden soll.
Im vierten Teil des Beitrags werden die geschaffenen Grundlagen aus den vorangegangenen Kapiteln in Beziehung gesetzt, um die Gestaltungsoptionen für nachhaltige Geschäftsmodelle für Hochschulen abzuleiten. Es wird insbesondere auf die beträchtliche (auch ausseruniversitäre) Konkurrenz im akademischen Weiterbildungsmarkt hingewiesen. Deshalb wird den Universitäten empfohlen, klar festzulegen, welche Funktionen auf welchem Qualitätsniveau angeboten werden sollen. Daraus ist zu prüfen, welche Kostenstruktur und welches Ressourcenportfolio nötig ist und welche Anpassungen oder Kooperationen notwendig werden.
Im Fazit stellen die Autoren fest, dass es Bereiche gibt, in welchen Universitäten dem Wettbewerb nicht gewachsen sind. In anderen insbesondere forschungsnahen Feldern sind Universitäten zur Wahrnehmung gewisser Funktionen im akademischen Weiterbildungsmarkt hingegen prädestiniert. Es ist jedoch unabdingbar, dass eine sorgfältige Analyse der einzelnen Funktionen erfolgt und wo partielle Schwächen bestehen frühzeitig Kooperationen gesucht werden.
Der Artikel zeichnet sich durch eine äusserst sorgfältige Analyse ökonomischer Grundlagen von eBildungsgeschäftsmodellen aus und schlägt wertvolle Ansätze zur Verwendung entsprechender Analyseerkenntnisse vor. Darauf aufbauend muss als nächstes eine konsequente Identifikation von relevanten Funktionen, Wertschöpfungsnetzwerken und Geschäftsmodellen für eBildungsdienstleistungen erfolgen. Erst auf der Basis von zu bestimmenden Zahlungsbereitschafts- und Kostenfunktionen können Institutionen entsprechende Strategien formulieren.Dieser Grundlagenartikel regt eine wertvolle Stossrichtung in der Disskussion um eLearning-Geschäftsmodelle an, bleibt jedoch im sehr Allgemeinen und Unverbindlichen stehen. Wer eine relativ schwerfällige aber präzise Sprache nicht scheut, gewinnt dennoch wertvolle Denkanstösse.