Ehlers, Ulf-Daniel; Schenkel, Peter (Hrsg.) (2005)
Weiterbildungscontrolling im E-Learning
Berlin, Heidelberg, New York: Springer
Review by: Meier, Christoph (2005-04-05)
Bildungscontrolling ist kein neues Thema, darauf verweisen auch die Herausgeber dieses Sammelbands. Schon in den neunziger Jahren wurde das Thema intensiv diskutiert und derzeit genießt es wieder einmal große Aufmerksamkeit. Das liegt zum einen daran, dass in konjunkturell schwierigen Zeiten die Bedeutung von Weiterbildung als unterstützendes Instrument bei der Rekrutierung und Bindung von Mitarbeitern abnimmt, während gleichzeitig die Anforderungen an den Nachweis des betrieblichen Nutzens von Weiterbildung steigen. Darüber hinaus haben aber auch die Entwicklungen im Bereich technisch unterstützten Lernens (E-Learning) dazu beigetragen, dass das Thema wieder verstärkt Interesse auf sich zieht. Mit E-Learning und Blended Learning Angeboten stehen nicht nur Alternativen bzw. Ergänzungen und Erweiterungen zu bisherigen Formen der Weiterbildung zur Verfügung. Wie die Herausgeber zu Recht anmerken, standen zudem auch Versprechungen von besserer Qualität der Bildungsangebote zu geringeren Kosten im Raum, die mittlerweile relativiert werden mussten.
In ihrer Einführung in den Sammelband konstatieren die Herausgeber, dass die Diskussion zum Thema Bildungscontrolling von zahlreichen unterschiedlichen konzeptionellen Ansätzen gekennzeichnet, eine kohärente Theorie aber (noch) nicht in Sicht ist. Darüber hinaus merken sie begriffliche Unschärfen an. Bildungscontrolling wird definiert als Instrument zur Optimierung der Planung, Steuerung und Durchführung von Bildungsmaßnahmen, d. h., als ganzheitliches Planungs-, Bewertungs- und Informationssystem mit Ziel der Erfassung (und Steuerung) von Effizienz, Effektivität und nicht zuletzt der Kosten von Bildungsmaßnahmen. Den Herausgebern zufolge ist der Begriff „Bildungscontrolling“ aber per se problematisch, da Bildung einen individuellen Prozess bezeichnet. Ihnen zufolge wäre die Bezeichnung „Qualifikationscontrolling“ oder „Qualifikationssteuerung“ passender. Allerdings zeugt der Buchtitel davon, dass sie den Versuch, den etablierten Begriff Bildungscontrolling zu ersetzen, für wenig aussichtsreich halten.
Das Buch umfasst – die Einführung mitgerechnet – insgesamt 25 Beiträge von Wissenschaftlern, von Anbietern von Produkten und Beratungsdienstleistungen zum Thema Bildungscontrolling sowie nicht zuletzt auch von Vertretern von Anwender-Unternehmen, in deren Bildungsbereichen Bildungscontrolling umgesetzt wird. Der Sammelband gliedert sich in fünf große Abschnitte.
Im Teil A1, Überblick zu Ansätzen des Bildungscontrollings, finden sich einführende Beiträge, von denen der erste sich allgemein mit Bildungs- und Prozesscontrolling befasst und der zweite das Kosten- und Nutzen-Controlling fokussiert. Der dritte Beitrag in diesem Teil liefert einen knappen Überblick über verschiedene Ansätze für das Controlling betrieblicher Weiterbildung.
Im Teil A2, Zum Bildungscontrolling und ROI von E-Learning, sind fünf Beiträge versammelt, die bewährte und innovative Konzeptionen und Vorgehensweisen vorstellen. Im einzelnen vertiefen die Beiträge die Gestaltung von Lernprozessen, E-Testing und E-Befragungen, Lerneffektivitätsmessung, den bekannten ROI-Prozess von Phillips und einen Calculation Object Model-Ansatz für eine verbesserte ROI Bestimmung.
Angesichts der gegenwärtig zu beobachtenden Tendenz, die Diskussion von Bildungscontrolling auf das Thema der Bestimmung des ROI von Bildungsmaßnahmen zu verkürzen, ist besonders erfreulich, dass die Herausgeber im Teil A3, Bildungscontrolling im E-Learning jenseits des ROI, insgesamt sieben Beiträgen versammeln, mit denen der Horizont weiter gespannt wird und die eine ganzheitlichere Sichtweise auf das Thema liefern. In diesem Teil finden sich Beiträge zur Gestaltung von Blended-Learning Prozessen, zur Balanced Learning Scorecard in Anlehnung an die Balanced Scorecard von Kaplan / Norton, zu Rollen-orientierten Scorecards für ausgewählte Beteiligte im Bildungsprozess wie etwa Trainer, Compliance Officer oder PE-Leiter, sowie zu E-Portfolios und Kompetenzbilanzen für das individuelle Bildungsmanagement. Drei Beiträge, die die Verbindung zwischen Bildungscontrolling und Qualitätsmanagement herstellen und diese auch kritisch einander gegenüber stellen, runden diesen Teil ab.
Teil B, Neue Werkzeuge für Bildungscontrolling, umfasst vier Beiträge, die verschiedene Konzeptionen und Werkzeuge insbesondere für das Skill-Management vorstellen. Eingeleitet wird dieser Abschnitt durch einen Beitrag zu grundlegenden Fragen der Kompetenzforschung, insbesondere der Kompetenzmessung und der Kompetenzentwicklung.
Der abschließende Teil C, Good Practices, Fallbeispiele & Erfahrungen, umfasst vier Beiträge, in denen die Umsetzung von Bildungscontrolling in Unternehmen und die damit verbundenen Herausforderungen geschildert werden. Dabei werden mit zwei Fallstudien zu Unternehmen aus der Versicherungsbranche und zwei Fallstudien zur Praxis des Bildungscontrollings bei SAP deutliche Schwerpunkte gesetzt. Ein letztes Service-Kapitel vermittelt schließlich noch einen Überblick zu verschiedenen Internetquellen zum Thema Bildungscontrolling, zu Assessment-Werkzeugen, Anbietern im Feld Bildungscontrolling sowie Kongresse, Messen und ausgewählte online-Artikel.
Mit dem hier vorgestellten Sammelband haben die Herausgeber die aktuelle Diskussion zum Thema Bildungscontrolling, E-Learning und ROI zu einem interessanten Überblick gebündelt. Wer sich über den Stand der Diskussion und verfügbare Ansätze und Werkzeuge informieren möchte, wird gut bedient. Die Diskussion wird und muss aber weiter gehen, so wie auch viele der vorgestellten Ansätze und Werkzeuge noch weiter entwickelt werden müssen, um dem Ziel ganzheitlicher Planungs-, Bewertungs- und Informationssysteme zur Erfassung und Steuerung von Effektivität, Kosten und Effizienz von Bildungsmaßnahmen gerecht zu werden.