OverviewQualityQuality: General Research

Harvey, Lee; Green, Diana (2000)

Qualität definieren – Fünf unterschiedliche Ansätze

Zeitschrift für Pädagogik, 41. Beiheft, pp. 17–39

Google this publication · ScholarGoogle this publication

Review by: Wirth, Markus (2004-06-02)

Die heterogenen Verwendungsweisen des Qualitätsbegriffs im Bildungsbereich werden in fünf Kategorien (Qualität als Ausnahme, Perfektion, Zweckmässigkeit, adäquater Gegenwert und transformativ) systematisch herausgearbeitet und reflektiert.

Zunächst stellt der Beitrag den relativen Charakter des Qualitätsbegriffes zum jeweiligen Beurteiler und zum jeweils angewendeten Beurteilungsmassstab heraus. Der Artikel illustriert, dass zwar einerseits viel über die Kontrolle, die Verbesserung sowie das Management von Qualität geschrieben, andererseits jedoch nur wenig zur Klärung des eigentlichen Begriffes beigetragen wurde. Mit den fünf unterscheidbaren aber dennoch in enger Relation stehenden Kategorien bieten Harvey & Green eine verständliche und hilfreiche Systematik zur differenzierteren Analyse und Diskussion des Qualitätsbegriffs. Als erstes nennen Harvey & Green als wohl traditionellstes Qualitätsverständnis die Qualität als (1) Ausnahme. Qualität ist in diesem Verständnis eine herausgehobene Ausnahme, übertrifft allerhöchste Standards oder erreicht mindestens vorgeschriebene Mindeststandards. Davon abweichend wird Qualität jedoch auch als (2) Perfektion oder Konsistenz interpretiert. Dieser Ansatz konzentriert sich auf Prozesse, die beim Streben nach Qualität erreicht werden sollen und drückt sich in Fehlerlosigkeit sowie Effektivität und Effizienz aus. Qualität ist damit nicht mehr exklusiv sondern wird für jedermann erreichbar. Abweichend von den vorherigen Ansätzen beurteilt die (3) Qualität als Zweckmässigkeit die Qualität eines Produktes oder einer Dienstleistung am jeweiligen zugrundeliegenden Zweck. Der beurteilungsrelevante Zweck kann dabei sowohl durch den Anbieter wie auch durch den Kunden/Konsumenten definiert werden – im letzteren Fall korreliert Qualität eng mit der Nützlichkeit, was sich grundlegend von den anderen Ansätzen unterscheidet. Ein vierter Ansatz schliesslich stellt mit dem (4) adäquaten Gegenwert eine Relation zwischen Qualität und Markt/Preis her. So zeigen typischerweise Leistungsindikatoren (Lehrkräfte pro Student, Prüfungsergebnisse u.w.m.) welche Qualität für einen gewissen Mitteleinsatz zu erhalten ist. In einem fünften und letzten Ansatz wird Qualität als (5) transformativ verstanden. Dieses Verständnis fokussiert hauptsächlich auf Dienstleistungen und stellt die produktorientierte Qualitätsbeurteilung im Bildungswesen grundlegend in Frage. Teilnehmer sollen weiter entwickelt werden, Mitarbeiter sollen empowered werden – Grundlage der Beurteilung ist nicht absolut sondern die individuelle Ausgangssituation. Im Anschluss stellen Harvey & Green über Qualität als Perfektion und Qualität als Zweckmässigkeit den Zusammenhang mit TQM her. TQM versucht beide Ansätze zusammen zu bringen und in einer Kultur der Qualität zu verstetigen. Die Autoren schliessen mit den Bemerkungen, dass es keine ‚richtige’ Definition von Qualität gibt. Bestenfalls sollte so klar und präzise wie möglich definiert werden, welche Kriterien und Perspektiven zur Einschätzung von Qualität berücksichtigt werden.

Der Artikel ist im allgemein einfach zu lesen und beschreibt nachvollziehbar unterschiedliche Qualitätsperspektiven und –verständnisse. Leser dieses theoretisch sauber ausgearbeiteten Artikels erhalten einen guten und wertvollen Überblick über die Definitionsproblematik des Qualitätsbegriffes mit einer hilfreichen Orientierungssystematik. Dieser Artikel muss als Grundlagenliteratur für alle mit Qualität im Bildungsbereich assoziierten Arbeiten gesehen werden.