Bannert, Maria (2003)
Effekte metakognitiver Lernhilfen auf den Wissenserwerb in vernetzten Lernumgebungen
Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, Vol. 17, No. 1, pp. 13–25
Review by: Hasanbegovic, Jasmina (2004-08-25)
Die Autorin untersuchte in einer experimentellen Studie mit 40 Studierenden die Wirksamkeit von metakognitiven Lernhilfen auf den Wissenserwerb in einer geschlossenen, netzbasierten Lernumgebung. In Anlehnung an Befunde der aktuellen Metakognitionsforschung entwickelte sie eine metakognitive Förderungsmassnahme direkter und indirekter Lernhilfen für Studierende. Diese sollen die Orientierung, Planung und Zielbildung vor dem Lernen, die Überwachung und Steuerung während des Lernens und die (End-)Kontrolle gegen Ende des netzbasierten Lernens anregen und unterstützen. Die direkte Förderung vermittelt die strategischen Aktivitäten durch den Versuchsleiter in einem Training unmittelbar vor der Lernphase. Die indirekte Förderung findet während des hypermedialen Lernens statt und besteht aus Aufforderungen seitens des Versuchsleiters gemäß den Prompting-Studien zu Beginn, während und gegen Ende des Lernens, sich an dem Lernschema zu orientieren und die darin aufgeführten Aktivitäten auszuführen.
Eine Woche vor dem Einzelsitzungs- Lernexperiment wurden in Gruppensitzungen die im Rahmenmodell spezifizierten individuellen Lernvoraussetzungen erfasst. Dabei wurden standardisierte Fragebögen für verbale Intelligenz, das Vorwissen, die strategisch-metakognitive Kompetenz sowie die Motivation der Probanden eingesetzt. Die 20 Teilnehmer der experimentellen Gruppe lernten in der netzbasierten Lernumgebung mit den entsprechenden metakognitiven Lernhilfen, wohingegen die 20 Teilnehmer der Kontrollgruppe ohne metakognitive Lernhilfen und ohne vorausgehendes Training lernten. Das Lernverhalten wurde in beiden Gruppen mit der Methode des Lauten Denkens erfasst und per Video aufgezeichnet. In der abschließenden Testphase wurde mittels Fragebogen die Behaltensleistung relevanter Begriffe als auch Fakten- und Anwendungswissen erhoben.
Die Ergebnisse weisen signifikante Unterschiede für metakognitive Lernaktivitäten in netzbasierten Lernumgebungen nach. Probanden der experimentellen Gruppe spezifizierten häufiger die Lernziele, planten ihr Vorgehen systematischer, hatten weniger Probleme bei der Informationssuche und Bewertung und führten häufiger eine Lernkontrolle durch. Die Verbesserung der Lernleistung hingegen konnte nur für das Anwendungswissen signifikante Unterschiede nachweisen. Korrelative Analysen weisen dennoch nach, dass ein metakognitives Lernverhalten mit höheren Lernleistungen gemäß des Fakten- und Anwendungswissens einhergeht. Gleichzeitig zeigt eine Kovarianzanalyse, dass die Lernleistungen am besten durch das metakognitive Verhalten vorhergesagt werden. Die Studie weist insgesamt eine Erhöhung des strategischen Lernens durch metakognitive Lernhilfen nach, jedoch zeigt sie keine absolut höheren Lernleistungen gegenüber jenen KG- Probanden ohne Lernhilfen nach, die spontan metakognitiv-strategisches Lernverhalten anwandten.
Die Studie zeigt, dass systematische Instruktionsmaßnahmen in einer netzbasierten Lernumgebung zu metakognitiv-strategischerem Lernverhalten und bessereren Leistungen im Anwendungswissen führen. Die Autorin diskutiert zu Recht das Bandbreiten-Effektivitäts-Dilemma, das die Frage nach allgemeinen oder spezifischen Strategien der Unterstützung aufwirft. Zukünftige Studien müssen demnach nicht nur netzspezifische Strategien thematisieren, sondern darüber hinaus auch domänenspezifische Strategien vor allem für offene, komplexe Lernumgebungen. Die Bedeutung bestimmter Lernvoraussetzungen für die Wirksamkeit heuristischer Lernhilfen darf nicht nur unter dem Mantel der Cognitive Load- bzw. Motivations-Hypothese diskutiert werden, sondern erfordert die Einbindung des Expertisegrades der Probanden. Metakognitive Lernhilfen müssen in weiteren Untersuchungen gemäß unterschiedlicher Vorwissensstufen angepasst und weiterentwickelt werden.