Hochholdinger, Sabine; Meister, Dorothee M.; Schaper, Niclas (2008)
Die Bedeutung der Lernmotivation für den Lern- und Transfererfolg betrieblichen E-Learnings
zeitschrift für e-learning – lernkultur und bildungstechnologie, Vol. 3, No. 1, pp. 8–18
Review by: Gebhardt, Anja (2008-12-04)
Betriebliches Lernen sieht sich in den letzten Jahren aufgrund sich rasch entwickelnder Technik und vielfältiger organisationaler und gesellschaftlicher Veränderungsprozesse mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Die Qualifizierung der Mitarbeiter gewinnt zunehmend an Bedeutung und kann durch traditionelle Bildungsmaßnahmen allein nicht aufrechterhalten werden. Infolgedessen setzt man Hoffnungen in die Integration von E-Learning-Angeboten in die betriebliche Aus- und Weiterbildung. Die anfängliche Euphorie wird jedoch gebremst durch neuere Befunde, die eine kritische Haltung gegenüber dem E-Learning einnehmen und dessen potenzielle und bestehende Probleme thematisieren. Die Autoren weisen in diesem Zusammenhang insbesondere auf motivationale Defizite seitens der Lernenden hin. Diese sind ursächlich für die Gefährdung des Lern- und Transfererfolges und ziehen hohe Abbruchraten in Bezug auf E-Learning-Schulungen nach sich. Das Anliegen der Verfasser ist daher die Untersuchung der Bedeutsamkeit der Motivation für den Erfolg von E-Learning.
In einem ersten Abschnitt widmen sich die Autoren der Herausarbeitung eines theoretischen und empirischen Fundamentes für die eigene intendierte Untersuchung. Sie präsentieren Studien, die die Analyse von Zusammenhängen zwischen verschiedenen motivationalen Variablen und diversen Kriterien des Lern- und Transfererfolges zum Gegenstand haben.
Auf dieser Grundlage formulieren Hochholdinger, Meister und Schaper drei Hypothesen hinsichtlich des Einflusses der Lernmotivation auf den Lern- und Transfererfolg. Sie vermuten, dass verschiedene motivationale Kategorien positiv mit den Maßen des Lern- und Transfererfolges korrelieren (H1). In diesem Kontext ist jedoch anzunehmen, dass für die Lernzielorientierung stärkere Korrelationen als für die Leistungszielorientierung gemessen werden (H2) und gleichermaßen die intrinsische Motivation stärkere Effekte in Bezug auf den Lern- und Transfererfolg im Vergleich zur extrinsischen Motivation aufweist (H3).
In Anlehnung an ausgewählte empirische Studien entwickeln die Autoren ein eigenes Erhebungsinstrument, in welchem sie Skalen bestehender Inventare integrieren, diese überprüfen und auf den vorliegenden Zusammenhang adaptieren. Sie operationalisieren sowohl den Lern- und Transfererfolg (subjektive Bewertung durch Probanden) als auch die Prädiktoren, die die motivationalen Kategorien Lern- und Leistungszielorientierung (nach MATHIEU/ZAJAC, 1996), intrinsische und extrinsische Motivation sowie die Situations-Ergebnis-Erwartung (nach RHEINBERG/WENDLAND, 2002) umfassen.
Das Inventar kam in den Jahren 2004-2006 in zwei Erhebungen zum Einsatz. In einer ersten Studie konnten 147 gewerblich-technische Auszubildende für die Befragung gewonnen werden. Darüber hinaus nahmen 64 Angestellte, die sich mit Hilfe eines E-Learning-Kurses weiterbildeten, an der zweiten Untersuchung teil.
In der ersten Studie wiesen die Lern- und Leistungszielorientierung keinen Zusammenhang mit dem Lernerfolg auf, während zumindest für die Lernzielorientierung ein Einfluss auf den Transfererfolg registriert werden konnte. Bezüglich der intrinsischen Motivation, der extrinsischen Motivation und der Situations-Ergebnis-Erwartung errechneten sich durchgängig positive Korrelationen mit beiden Erfolgsmaßen. In diesem Rahmen wurde für die intrinsische Motivation der stärkste Zusammenhang gemessen. Aufgrund der Ergebnisse konnten die Hypothese 1 tendenziell und die Hypothesen 2 und 3 vollständig empirisch untermauert werden. Mit dem Ziel, diese Erkenntnisse auf ein verallgemeinerungsfähiges Niveau zu heben, wurde die zweite Studie, allerdings ohne Erhebung der Skalen zur Lern- und Leistungszielorientierung, durchgeführt. Im Hinblick auf die intrinsische Motivation wurden wiederum starke Korrelationen zum Lern- und Transfererfolg verzeichnet. Die extrinsische Motivation und die Situations-Ergebnis-Erwartung korrelierten dahingegen lediglich auf schwachem Niveau mit beiden Erfolgskriterien. In der Folge erfahren die Hypothesen 1 und 3 erneut Bestätigung. Hypothese 2 konnte nicht getestet werden.
In einer abschließenden Diskussion resümieren die Autoren, dass Motivation zweifelsohne eine tragende Rolle bezüglich des Erfolgs betrieblichen E-Learnings spielt und ihre Forschungsarbeit einen wertvollen Beitrag zur Erhellung des bisher unzureichend beleuchteten Bereichs des betrieblichen E-Learnings leistet. Zukünftig zu untersuchende Forschungsfragen betreffen nach Ansicht der Autoren längsschnittliche und experimentelle Studien sowie eine tiefergehende Untersuchung der benannten Konstrukte. Ebenso ist eine vergleichende Betrachtung von E-Learning- und Präsenzveranstaltungen in Bezug auf die Bedeutung motivationaler Aspekte ein interessantes Desiderat.