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Reinmann, Gabi (2005)

Innovation ohne Forschung? Ein Plädoyer für den Design-Based Research-Ansatz in der Lehr-Lernforschung

Unterrichtswissenschaft, Vol. 33, No. 1, pp. 52–69

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Review by: Hasanbegovic, Jasmina (2005-05-26)

Die Autorin plädiert für einen Forschungsansatz innerhalb der Lehr-Lernforschung, der nachhaltige Innovationen im/für den Bildungs- und Unterrichtsalltag hervorzubringen vermag. Bisherige Ansätze der Lehr-Lernforschung sind nicht in der Lage, Forschung zum Zwecke der Innovation zu betreiben, weil sie allenfalls wissenschaftliche Erkenntnisse zum Lernen und Lehren, daraus abgeleitete Lehr-Lernkonzepte oder neue Lernmedien hervorbringen, die aufgrund ihres Abstraktionsgrades für den praktischen Einsatz nicht geeignet sind. Die zumeist quantitativ ausgerichtete Lehr-Lernforschung erweist sich in ihrer Vorgehensweise und Methodik als nicht ausreichend, um in Schule, Hochschule und Weiterbildung nachhaltige Veränderungen beim Lernen und Lehren anzustossen und Lehrkonzepte und -instrumente für die Praxis zur Verfügung zu stellen, um konkrete Lehr-Lernprobleme in spezifischen Situationen zu lösen.

Die Autorin führt den Ansatz Design Based Research (DBR ) ein, der zentrale Prozesse beim Design für die Forschung und für die Praxis zu nutzen und mit wissenschaftlichem Denken und Handeln zu verbinden versucht. Der Design-Based Research Ansatz fokussiert die Nützlichkeit, die Passung zu bestimmten Bedingungen und künftige Potentiale, indem er aus den typischen Entscheidungsprozessen und den daraus resultierenden Lernprozessen generalisierbare Theorien entwickelt.

Der Artikel beschreibt Kernidee und Zielsetzung des Ansatzes und geht darüber hinaus auf spezifische Merkmale wie den Stellenwert des Designs, die Zielsetzung, das forschungsstrategische und methodische Vorgehen und die Motivation ein. Darüber hinaus erläutert die Autorin, warum DBR mit klassischen wissenschaftlichen Prinzipien kompatibel ist, indem sie zuerst die Unterschiedes von DBR zu anderen Forschungsarbeiten herausarbeitet, wissenschaftliche Prinzipien des National Research Council erläutert, um letztere für den neuen Ansatz anzuwenden und zu überprüfen. Dabei versäumt sie es nicht, stets auf die spezifische Situation der Lehr-Lernforschung einzugehen, die durch hohe Veränderungsdynamik, die Situiertheit von Prozessen in Institutionen und Gemeinschaften etc. gekennzeichnet ist. Abschliessend diskutiert sie, warum der DBR besonders innovationstauglich ist, warum sich DBR wissenschaftlich etablieren kann und plädiert für eine Innovation durch Forschung. Gerade die Arbeit in der Praxis als potentieller wissenschaftlicher Akt ermöglicht die Aufdeckung von Gestaltungsprozessen auf eine bodenständige und greifbare Art und Weise unter Berücksichtigung von Kontextfaktoren. Neben Lösungen für die Praxis verfolgt dieser Ansatz auch ein theoretisches Erkenntnisinteresse, weist Kompatibilität mit anderen Forschungsansätzen auf und erfüllt wissenschaftliche Prinzipien. Dieser Ansatz, der Innovation durch Forschung ermöglicht, stärke letztendlich die Stellung des Bildungsforschers als Gestaltungskraft und Definitionsmacht im Bildungsgeschehen, ermögliche diesem bildungsnahe Interessen zu verfolgen und gegenüber anderen Anspruchsgruppen durchzusetzen.

Dieser Artikel beschreibt einen Ansatz, der einen Brückenschlag zwischen Grundlagenforschung und Anwendungsforschung durch eine kontinuiertliche Verzahnung von Theorie und Praxis herzustellen vermag. Besonders interessant und wichtig ist enthaltene Diskussion über die Kontingenz von Theorie und Empirie für das Forschungsfeld der Bildungsinnovationen. DBR stellt eine notwendige Bedingung für diejenigen Lehr-Lernforscher dar, die sich mit der Realisierung von Bildungsinnovationen auseinandersetzen. Akteure aus der Wissenschaft können nur als Ko-Konstrukteure von theoriebasierter, aber vor allem praxisrelevanter Inhalte und Methoden zur Entwicklung innovativer Praxis beitragen.