Kauffeld, Simone (2006)
Ergebnis statt Erlebnis: Ansätze für eine effektive Fortbildungsevaluation.
In Dieckmann, H.; Diettrich, K.-H.; Lehmann, B. (Hrsg.), Kompetenztransfer durch selbstgesteuertes Lernen
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Review by: Hasanbegovic, Jasmina (2006-10-15)
Die Autorin stellt in ihrem Beitrag zwei standardisierte Evaluationsinstrumente vor, die mit einem ökonomisch vertretbaren Aufwand interpretationsfähige Ergebnisse zum Erfolg einer Bildungsmaßname sowie den damit zusammenhängenden Erfolgsfaktoren für den Transfer vom Lern- in das Transferfeld bieten.
Das Maßnahmen- Erfolgs- Inventar (MEI) ist ein Instrument zur Messung des Fortbildungserfolgs, welches sowohl für fachliche wie auch überfachliche Bildungsmaßnahmen eingesetzt werden kann. Die Teilnehmer werden dabei gebeten, ihre Zustimmung zu 22 Aussagen zur Zufriedenheit, Lernen, Einstellung und Selbstwirksamkeitseinschätzung im Lernfeld auf einer Skala von 0% (trifft überhaupt nicht zu) bis 100% (trifft völlig zu) in 10er Schritten anzugeben. Das MEI wird von den Teilnehmern in der Regel 6-12 Wochen nach der Fortbildung ausgefüllt. Die Ergebnisse können jeweils mit Vergleichswerten des Instituts für Arbeitswissenschaft, Universität Kassel, aus anderen Fortbildungsmaßnahmen verglichen werden, das Anhaltspunkte für die Interpretation der Ergebnisse des eigenen Unternehmens bietet.
Neben dem Nutzen einer Fortbildungsmaßnahme in Form einer ergebnisorientierten Evaluation des Erfolges ist die Erfassung der Erfolgsfaktoren für den Transfer besonders wichtig, um den Transfer durch ein systematisches Verfahren zu optimieren. Das Lern Transfer System Inventar (LTSI) von Holten et. al (2000) erfasst Merkmale der Teilnehmer, des Trainings und der Arbeitsumgebung, um durch die Ausprägungen dieser Transferdeterminanten Interventionsmaßnahmen ableiten zu können. Für die englischsprachige Variante können die 16 Faktoren im Rahmen von explorativen Faktorenanalysen bestätigt und zentrale Gütekriterien (Konstruktvalidität, konvergente und divergente Validität bzw. kriterienbezogene Validität) nachgewiesen werden. Die Autorin hat das englischsprachige Instrument von Holten et al. als Grundlage für das deutschsprachige Instrument verwendet und dieses in einem aufwändigen Übersetzungs- und Validierungsverfahren entwickelt. Als Ergebnisdarstellung können die einzelnen Faktoren als starke Barrieren bzw. starke Katalysatoren dargestellt werden, die Ansatzpunkte für Veränderungen liefern. Durch den LTSI- Einsatz können mögliche Probleme mit Transferfaktoren in Pilotierungen frühzeitig identifiziert werden, aber auch bestehende Bildungsprogramme zur Diagnose von Ursachen für bekannte Transferprobleme UND zur Entwicklung von Maßnahmen zur Transferverbesserung evaluiert werden.
Der Einsatz beider Instrumente ermöglicht Aussagen, welche Faktoren welche Stufe des Erfolges der Maßnahme begünstigen oder behindern. Die Kombination beider Instrumente erlaubt neben der deskriptiven Evaluation auch, Ursachen für mögliche Transferprobleme zu erkennen. Indem Ansätze zur Erklärung des Zusammenspiels der Transferfaktoren und des Trainingserfolgs zusammen mit den Betroffenen und Beteiligten entwickelt werden, können Konzepte zur Optimierung des Transfers abgeleitet werden.
Auch wenn das MEI durch seinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit nur ein indirektes Maß für die Evaluationsebenen von Kirkpatrick darstellt (bspw. wird nicht der wirkliche Lernerfolg durch Wissenstest erhoben, sondern nur die Einschätzung der Teilnehmer zu ihrem Lernerfolg), stellt es ein kosten- und zeitgünstiges Instrument für die Erfolgsmessung dar. Insbesondere das LTSI stellt ein standardisiertes Instrument zur Erfassung zentraler Transferdeterminanten dar, die als Grundlage für die Ableitung von Interventionsmaßnahmen dienen können. Die Kombination beider Instrumente birgt ein hohes Potential, ein Standard- Evaluationsverfahren zu etablieren und Unternehmen dadurch für Transferprobleme zu sensibilisieren.