Marsden, Nicola (2008)
Motivation durch Instruktion? Effekte der Induktion von Performanzzielorientierung
zeitschrift für e-learning – lernkultur und bildungstechnologie, Vol. 3, No. 1, pp. 32–44
Review by: Brahm, Taiga (2009-02-19)
In ihrem Artikel untersucht Marsden die Art der Instruktion in E-Learning-Veranstaltungen, da diese von besonderer Bedeutung für die Motivation ist. Dabei wird unterschieden zwischen Lernziel- und Performanzzielorientierung. Bei Vorliegen von Lernzielorientierung ist eine Person bestrebt, bestimmte Inhalte zu verstehen oder neue Kompetenzen zu entwickeln. Mit Performanz- oder auch Leistungszielorientierung wird dagegen das Erreichen einer bestimmten Leistung im Sinne einer positiven Beurteilung über die eigene Kompetenz angestrebt. Wesentliche Forschungsbefunde zeigen, dass bei Lernzielorientierung nach weiteren Herausforderungen gesucht wird bzw. die Lernenden sich eher weiter mit einem Thema beschäftigen. Performanzzielorientierung ist dagegen eher durch das Vermeiden von Anforderungen und wenig Durchhaltevermögen gekennzeichnet. Im akademischen Kontext, in dem auch die hier vorliegende Untersuchung durchgeführt wurde, wurde dagegen ein positiver Zusammenhang zwischen Performanzzielorientierung und Leistung sowie Lernerfolg festgestellt, während bei Lernzielorientierung keine Effekte vorlagen. In der Untersuchung wurde eine bestimmte Art von Zielorientierung mittels Instruktion induziert. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Instruktion im E-Learning eine noch größere Bedeutung zukommt als in face-to-face Veranstaltungen. Im Mittelpunkt der quasi-experimentell angelegten Untersuchung steht die Frage, "ob Performanzzielorientierung in E-Learning-Veranstaltungen induziert werden kann und entsprechende positive Effekte damit erreicht werden können" (S. 35). Die folgenden drei Hypothesen wurden überprüft: 1. Performanzzielorientierung sollte zu einer konstruktiveren Beteiligung an der E-Learning-Veranstaltung führen. 2. Performanzzielorientierung sollte zu einem qualitativ hochwertigeren Arbeitsergebnis führen (Zufriedenheit der Teilnehmer und Bewertung des Arbeitsergebnisses). 3. Performanzzielorientierung sollte zu einem höheren Lernerfolg führen.
Die Studie wurde mit N = 35 Studierenden durchführt, die in sieben Teams zusammenarbeiteten. Die Gruppen wurden den zwei Untersuchungsgruppen (Performanzzielorientierung vs. Lernzielorientierung) zufällig zugeteilt. Bei der Versuchsbedingung Performanzzielorientierung wurden die Studierenden mehrfach darauf hingewiesen, dass die gestellte Aufgabe für ihre Note relevant ist, während die Lernzielorientierung dadurch induziert wurde, dass die Bedeutung der Aufgabe für die berufliche Zukunft herausgestellt wurde. Als abhängige Variablen wurden die konstruktive Beteiligung, die Qualität des Arbeitsergebnisses, sowie der subjektive Lernerfolg untersucht, die mittels eines Fragebogens erhoben wurden. Die Auswertung der erhobenen Daten erfolgte mittels Varianzanalysen. Hypothese 1 konnte bestätigt werden, wobei die konstruktive Beteiligung über je ein Item zum Organisiertheitsgrad des Teams und zur konstruktiven Zusammenarbeit operationalisiert wurde. Auch Hypothese 2 konnten in der Untersuchung bestätigt werden, wonach Performanzzielorientierung zu höherer Zufriedenheit mit dem Teamergebnis und der eigenen Leistung führt, allerdings konnte die Hypothese nicht im Hinblick auf die tatsächliche Bewertung bestätigt werden. Der positive Zusammenhang zwischen Performanzzielorientierung und Lernerfolg konnte nicht nachgewiesen werden (Hypothese 3).
Der Artikel beschäftigt sich mit einem aktuellen und spannenden Thema, das von hoher Relevanz für die akademische Lehre ist. Es wird ein interessantes Forschungsdesign vorgestellt, das allerdings einige Defizite aufweist: So werden die Daten bei in Teams arbeitenden Studierenden erhoben, die Frage nach der Analyseebene (Team oder Individuum) wird jedoch erst während der Diskussion aufgeworfen (S. 42). Auch die Operationalisierung der einzelnen Konstrukte lässt Zweifel an der Validität der Erhebungsinstrumente aufkommen. So werden pro Konstrukt jeweils nur ein Item genutzt, wodurch die üblichen Gütekriterien zur Beurteilung der Instrumente (z. B. interne Konsistenz, Konstruktvalidität) nicht angewendet werden können. Insgesamt basiert die Untersuchung auf einer recht geringen Stichprobe mit nur 35 Studierenden, weswegen eine Replikation mit einer größeren Stichprobe sicherlich sinnvoll wäre. Insgesamt ist der Artikel von Interesse für Lehrenden an Hochschulen. Insbesondere durch die Darstellung von Beispielen für die Formulierung von Arbeitsaufträgen mit Performanzziel- bzw. Lernzielorientierung bietet er hier – neben der wissenschaftlichen Behandlung des Themas – auch praktische Hinweise zur Umsetzung dieser Art von Leistungsmotivation.