OverviewPedagogy

Wolf, Karsten; Prasser, Christof (2006)

Motivation und Problemlösefähigkeit in Online-Seminaren

zeitschrift für e-learning – lernkultur und bildungstechnologie, Vol. 1, pp. 21–31

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Keywords: Collaborative Learning

Review by: Brahm, Taiga (2006-11-26)

In diesem Artikel, der in der ersten Ausgabe der zeitschrift für e-learning – lernkultur und bildungstechnologie erschienen ist, geht es um die Frage, inwieweit durch die Kollaborations- und Kommunikationsprozesse in Online-Seminaren Lernmotivation und Problemlösefähigkeit entwickelt werden.

Die Fragestellung wird zunächst in einen umfassenderen Kontext eingebettet. So werden sowohl die Kommunikation mit Online-Tutoren wie auch die Zusammenarbeit mit anderen Teilnehmenden als Mittel gesehen, um die Motivation der Online-Lernenden zu steigern und auf diese Weise zu einer Reduktion der hohen Abbruchquoten beim computergestützten Lernen beizutragen. In diesem Zusammenhang wird auch die Einbettung von Online-Phasen in Präsenzveranstaltungen als sogenannte Blended-Learning-Szenarien als probates Mittel betrachtet. Die Autoren betonen in ihrem Artikel vor allem zwei Aspekte der Kommunikation:

Soziale Einbindung wird mit dem "Aufbau und [der] Stabilisierung einer nachhaltigen Lernmotivation" (S. 23) verbunden und kollaborative Lösungsprozesse werden theoretisch über die inhaltliche Auseinandersetzung mittels Schreibprozessen mit dem Lerneffekt verbunden. Hierdurch wird bereits Vorarbeit für die Operationalisierung der Konstrukte geleistet.

Die empirische Untersuchung wurde im Rahmen eines Online-Seminars im Bereich Wirtschaftspädagogik an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg durchgeführt. Es setzt sich aus vier Inhaltsbereichen, z. B. "Unterricht neu gestalten" oder "Lernprozesse beurteilen" zusammen. Die Studierenden hatten die Aufgabe, im Seminar komplexe Problemstellungen in kollaborativer Kleingruppenarbeit zu lösen. An der Untersuchung nahmen insgesamt 36 Studierende (13 männlich, 23 weiblich) teil.

Das Erhebungsdesign sah vor, die abhängige Variable Problemlösefähigkeit sowohl zu Beginn als auch am Ende des Untersuchungszeitraums zu erheben. Zusätzlich wurden zu Beginn das Interesse an pädagogischen Problemstellungen sowie am Ende die Motivationsausprägungen wie auch die Noten erhoben. Als Kontroll- bzw. Moderatorvariablen wurden die Selbstwirksamkeit, die Leistungsmotivation, die subjektive Kompetenzeinschätzung selbstorganisierten Lernens, biographische Daten sowie Computerwissen und Interesse untersucht. Daneben wurde der Verlauf des Online-Seminars mit Hilfe der Logdaten sowie die Seminarleistungen durch ein Leistungsportfolio erhoben.

Die Untersuchung zielte auf die Beantwortung von sechs Fragen ab:

  1. Zusammenhang zwischen Eingangsinteresse und Kommunikationsintensität: in dieser Untersuchung konnte kein signifikanter Zusammenhang festgestellt werden
  2. Zusammenhang zwischen Kommunikationsintensität und Interesse: auch hier konnte kein direkter Zusammenhang aufgedeckt werden
  3. Zusammenhang zwischen Kommunikationsintensität und sozialer Eingebundenheit: diese Fragestellung wird für die Forenkommunikation und den Wortumfang bestätigt, nicht aber für die Chat-Intensität
  4. Zusammenhang zwischen Vorwissen und Kommunikationsintensität: das Vorwissen wurde als fachgebundene komplexe Problemlösefähigkeit operationalisiert und konnte für alle erhobenen Kommunikationsarten einen Zusammenhang bestätigen.
  5. Zusammenhang zwischen Kommunikationsintensität und Lernerfolg: dies wird für die Kommunikation in Foren sowie für den Wortumfang bestätigt

Abschliessend wird auf weitere Forschungsfragen eingegangen. So könnte z. B. der gefundene höchst signifikante Unterschied in der Kommunikations- und Kollaborationsintensität zwischen Männern und Frauen eingehender untersucht werden. Des weiteren wird auf die Notwendigkeit der qualitativen Erweiterung dieser quantitativen Untersuchung hinsichtlich der sozialen Einbindung hingewiesen. Schliesslich wird noch eine möglich Erweiterung der Lernumgebung um Wikis zur Unterstützung der Kollaboration angesprochen. Zusammenfassend lässt sich mit Wolf & Prasser feststellen, dass "die Förderung der Kollaboration als ein weiteres Erfolgsmass von Online-Seminaren benannt werden" (S. 30) kann.