Doering, Nicola; Kleefeld, Nicole (2006)
Mobiles Lernen in der Schule
Zeitschrift für Lernforschung, Vol. 34, No. 1, pp. 70–92
Review by: Da Rin, Denise (2006-10-06)
Der Artikel von Nicola Döring und Nicole Kleeberg beschäftigt sich mit Lernprozessen der Schule, die mittels portabler Endgeräte (Notebooks, Handhelds, Mobiltelefonen) unterstützt werden. In ihrem Artikel geben sie einen Überblick über die technischen Möglichkeiten des mobilen Lernens im schulischen Kontext, vergessen dabei aber nicht die didaktischen Aspekte des M-Lernens zu beleuchten und ergänzen ihre Aus-führungen mit vielen Beispielen aus der Praxis.
Nach einem Definitionsansatz, der M-Learning als Erweiterung oder Spezialform des E-Learning taxiert, wird eine kurze Klassifikation von Applikationen für das mobile Lernen vorgestellt, die jeweils mit konkreten Links und Beispielen untermauert sind.Hinsichtlich der daktischen Aspekte des mobilen Lernens, weisen die Autorinnen auf drei unterschiedliche Lehr-Lern-Paradigmen hin, die zur Anwendung kommen kön-nen: das instruktionale Lehr-Paradigma, das konstruktivistische Lern-Paradigma und das Medienbildungsparadigma. Eingehend auf die Lehr-Lern-Ziele, nennen Döring & Kleeberg fünf zentrale Kompetenzen im Umgang mit portablen Endgeräten: Sach-/Fachkompetenz, Methodenkompetenz, Sozialkompetenz, Personale Kompetenz und Medienkompetenz.Mit einem kritischen Hinweis auf die "anyone, anytime, anywhere"-Vision des ent-grenzten Lernens zeigen die Autorinnen, dass mobiles Lernen mehrheitlich immer noch im Schulhaus stattfindet. Anhand von Beispielen dokumentieren sie unter-schiedliche Einsatzszenarien des mobilen Lernens in der Schule.
Neben den Möglichkeiten, die mobile Lehr- und Lernformen mit sich bringen, werden aber auch die "Nebenwirkungen" und Risiken des mobile Lernens beschrieben. Zwar belegen die herangezogenen Evaluationsergebnisse aus praktischen Erfahrungen mit M-Lernen, dass Potenziale damit verbunden sind, die Autorinnen weisen aber auch darauf hin, dass präzise Messungen z. B. von Leistungssteigerungen oder von Kompetenzzuwächsen weitgehend noch ausstehen.
Zusammenfassend halten die Autorinnen fest, dass mobile Dienste vor allem die ler-nerzentrierte Gruppenarbeit fördern und auf das Leben und Arbeiten in der sogn. In-formations- und Wissensgesellschaft vorbereiten können.
Insgesamt bietet der Artikel einen sehr guten Überblick über die bisherigen Erfahrun-gen mit mobilem Lernen in Schulen in- und ausserhalb Europas und weist auf die damit vorhandenen Potenziale hin. Er zeigt aber auch auf, dass vorhandene Lernef-fekte nicht monokausal auf den Einsatz derselben zurückgeführt werden können und in diesem Feld noch viel Forschungsbedarf vorhanden ist.