OverviewHuman Computer InteractionUsability

Priemer, Burkhard (2004)

Logfile-Analysen: Möglichkeiten und Grenzen ihrer Nutzung bei Untersuchungen zur Mensch-Maschine-Interaktion

Medienpädagogik, Vol. 1, pp. 1–23

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Keywords: Usability Methods

Related Topics: Information Design and Information Architecture

Review by: Dreier, Matthias (2004-09-07)

Die Analyse von Logfiles ist eine beliebte weil kostengünstige Methode zur Untersuchung des Nutzerverhaltens von Computernutzern. Priemer vergleicht Vor- und Nachteile dieser Methode und stellt zwei mathematische Analyseverfahren im Detail vor.

Neben der kostengünstigen Durchführbarkeit von Logfile-Analysen sprechen noch weitere Gründe für diese Methode: Die Aufzeichnung erfolgt unbemerkt und für den Benutzer unsichtbar. Die Beeinflussung des Nutzers ist also sehr gering. Die Erfassung ist objektiv und detailgetreu. Ausserdem lässt sie sich technisch sehr leicht realisieren und eignet sich daher auch für Untersuchungen mit einer grossen Anzahl Probanden.

Logfile-Aufzeichnungen führen zu sehr umfangreichen Datenmengen. Viele Daten sind für konkrete Fragestellungen irrelevant, können aber nicht ohne beträchtlichen Aufwand herausgefiltert werden. In Bezug auf das Nutzerverhalten dürfen Logfile-Daten nicht überschätzt werden. Benutzeraktionen wie Nachdenken, handschriftliche Notizen oder Verlassen des Arbeitsplatzes werden nicht aufgezeichnet. Ein Rückschluss von Logfile-Daten auf kognitive Prozesse der Nutzer ist daher kaum zulässig.

Priemer erläutert die Logfile-Auswertung auf Basis der Graphentheorie und der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Die Graphentheorie kennt viele Metriken und topologische Klassifizierungen, die sich sehr einfach berechnen lassen. Topologische Muster wie Pfade, Ringe und Schleifen erlauben eine Typisierung der Nutzer. Wahrscheinlichkeitsberechnungen zeigen „überzufällige“ Elemente auf und lassen (in begrenztem Masse) Vorhersagen über das Nutzerverhalten zu. Der Autor zitiert auch Literatur, die sich mit der Struktur der Navigation (Phasen, Muster, etc.) beschäftigt. In diesem Bereich sind aber sehr umfangreiche Datenmengen erforderlich. Der Nutzen einer Typisierung des Nutzerverhaltens bleibt unklar.

Priemer zeigt die Vorteile von Logfile-Analysen auf und nennt gleichzeitig die grössten Schwächen. Er warnt vor einer Überbewertung solcher Aufzeichnungen. Den Einfluss persönlicher Präferenzen oder der individuellen Beschaffenheit eines konkreten Systems auf das Navigationsverhalten sieht er als noch zu wenig untersucht. Dass trotzdem versucht wird, aus dem Navigationsverhalten direkt auf Lernwege, Lernstile oder gar Lernerfolge zu schliessen, wird von Priemer zu wenig kritisch hinterfragt.