Brake, Christoph (2000)
Politikfeld Multimedia: Multimediale Lehre im Netz der Restriktionen
München: Waxmann
Keywords: Change Management in Higher Education
Review by: Schönwald, Ingrid (2004-08-04)
Christoph Brake untersucht Hindernisfaktoren bei der Integration multimedialer Lehr- und Studiensysteme an Hochschulen auf Basis einer Literaturanalyse. Das Ziel seiner Analyse liegt in der Ableitung von Implementationsbedingungen aus der Charakterisierung restriktiver Faktoren und ihren Verflechtungen. Den theoretischen Hintergrund der Arbeit bildet der systemtheoretischer Ansatz.
Als Einstieg beschreibt Brake die Potentiale multimedialer Lehre für die Hochschullehre und –entwicklung anhand von Praxisbeispielen aus der Hochschullandschaft und identifiziert dabei folgende Hauptinteressen für die Integration multimedialer Lehre: Verbesserung der Lehrqualität, Erhöhung der Studieneffektivität, Flexibilisierung des Studiums, politische Interessen, ökonomische Interessen sowie Multimedia als Motor der Hochschulreform.
Das nächste Kapitel beschäftigt sich mit den bildungsökonomischen Aspekten von multimedialen Lehr- und Studiensystemen im Rahmen eines Kostenvergleichs zwischen Präsenzlehre und multimedialer Lehr- und Studiensystemen. Obwohl diese Betrachtung interessante Aspekte beinhaltet, ist unklar, warum diese bildungsökonomische Betrachtung die Nutzenseite unberücksichtigt lässt und welche Bedeutung diese Analyse auf die folgende Restriktionsanalyse hat.
Auf der Basis einer Literaturanalyse identifiziert Brake anhand eines hermeneutisch-deskriptiven Vorgehens 13 restriktive Faktorengruppen für die Entwicklung und den Einsatz multimedialer Lehr- und Lernsysteme: Rechtliche und politische Rahmenbedingungen, unzureichende Anreizstrukturen, organisatorische Struktur der Hochschulen, Mangel an strategischen Medienkonzepten, Kosten der Medienproduktion, fehlende Koordination und Kooperation, Qualität der vorhandenen Lehr-Lern-Medien, geringe Medienkompetenz, Evaluationsforschung, mangelnde Markttransparenz, Mentalität an Hochschulen, unzureichende Infrastruktur, unangemessene Förderpolitik. Die Beschreibung der einzelnen Restriktionsfaktoren bilden den Hauptteil dieser Arbeit.
Entsprechend dem systemtheoretischen Anspruch der Arbeit versucht Brake Interdependenzen der einzelnen restriktiven Faktoren zu ermitteln und dadurch ein Netzwerk von sich unterschiedlich beeinflussenden restriktiven Faktoren zu ermitteln. Als wichtigste ursächliche wirkende restriktive Faktoren identifiziert er organisatorische und strukturelle Defizite. Die Hochschulen tragen dabei selbst ein Teil der Verantwortung an diesen Unzulänglichkeiten, z. B. durch den Mangel an strategischen Konzepten, in denen der Medieneinsatz in der Lehre verankert ist.
Insgesamt enthält diese Arbeit viele interessante Aspekte hinsichtlich der Hindernisse bei der Integration mediengestützter Lehre an Hochschule. Leider verzichtet Brake auf eine Klärung zentraler Begrifflichkeiten (z. B. „multimediale Lehr- und Lernsysteme“, „Mentalität“ an Hochschulen), was zwar die Lesbarkeit fördert, aber die wissenschaftliche Fundierung der Arbeit schmälert. Wünschenswert wäre auch eine detaillierter Darlegung der methodischen Vorgehensweisen (z. B. bei der Analyse der Verflechtungen der Verhandlungsarenen), damit die Ergebnisse nicht nur plausibel, sondern auch nachvollziehbar erscheinen. Trotz dieser Einschränkungen ist die Arbeit lesenswert, da sie das Verständnis für die Berücksichtigung verschiedener Handlungsdimensionen bei der Implementierung mediengestützter Lehre fördert.