OverviewCultureChange Management

Frese, Erich; Engels, Maria (1999)

Anmerkungen zum Änderungsmanagement in Universitäten

Die Betriebswirtschaft, Vol. 59, No. 4, pp. 496–510

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Keywords: Change Management in Higher Education

Review by: Schönwald, Ingrid (2004-08-03)

Dieser Artikel untersucht die Rahmenbedingungen und Gestaltungspotentiale von Veränderungsmanagement an Hochschulen aus betriebswirtschaftlicher Perspektive. Dazu werden Veränderungskonzepte und -erfahrungen aus Unternehmen hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit auf den Hochschulkontext diskutiert.

Zunächst werden von den Autoren drei Auslöser für Umstrukturierungen identifiziert: Änderung der strategischen Zielsetzung, die Nutzung innovativer Verfahren zu Leistungserstellung und das Ausschöpfen von Rationalisierungspotentialen. Die Notwendigkeit zur Änderung der strategischen Zielsetzung an Hochschulen (z. B. gepflegter Fächerkanon und Prioritäten hinsichtlich Programme und Methoden der Fachbereiche) basiert vor allem auf Ressourcendefiziten (z. B. staatliche Vorgaben und Budgets, sinkende Studierendennachfrage). Innovationen als Auslöser von Umstrukturierungen an Hochschulen sprechen die Autoren vor allem den modernen Informations- und Kommunikationstechnologien zu. Rationalisierungspotentiale werden im Abbau von Leerkapazitäten oder Doppelarbeiten durch fachbereichs- oder universitätsübergreifende Kooperationen gesehen.

Das vorgestellte Referenzmodell zum Änderungsmanagement in Unternehmungen beinhaltet vier Komponenten: Geschäftsbereich, Markt, Leitung und Experten. Hinsichtlich der Übertragbarkeit dieses Referenzmodels auf den Hochschulkontext werden die besonderen Rahmenbedingungen für die Steuerung von Hochschulen analysiert: Die Spezialisierung und Professionalisierung trägt zu einer starken Differenzierung und Unabhängkeit der einzelnen Fachbereich bei. Die beschränkten Möglichkeiten zur Formulierung von Verhaltens- oder Ergebnisvorgaben aufgrund der geringen Standardisierung von akademischen Aufgaben begründen das Steuerungskonzept der Selbstkontrolle der Fachbereiche.

Mit diesem Vorverständnis analysieren die Autoren die Wirkungsweisen von drei Kontrollmechanismen – Marktkontrolle, Hierarchische Kontrolle, und Expertenkontrolle – im Rahmen hochschulspezifischer Entscheidungsstrukturen. Die Marktkontrolle sehen die Autoren vor allem im Bereich der Lehre durch die Praxis der zentralen Vergabe von Studienplätzen, durch fehlende Anreizsysteme für eine gute Lehre und durch den Beamtenstatus der Professoren eingeschränkt. Im Bereich der Forschung sind die Marktmechanismen u. a. durch den Drittmittelmarkt und die Transparenz wissenschaftlicher Leistungen in Form von Publikationen stärker ausgeprägt. Hierarchische Kontrollen sind durch die begrenzte Fähigkeit des Rektorats zur Gewinnung und Beurteilung von Informationen über die Aktivitäten und (un)genutzten Ressourcenpotentiale der Fachbereiche eingeschränkt. Diese Einschränkungen werden auf die Notwendigkeit einer intensiven Auseinandersetzung mit den Besonderheiten jedes Fachbereichs zur Beurteilung dessen Leistungspotentials zurückgeführt. Darüber hinaus sind die Kontrollmöglichkeiten des Rektorats aufgrund mangelnder Instrumente zur Einflussnahme und Durchsetzungsfähigkeit von zentralen Entscheidungen aufgrund der geringen Legitimationsbasis begrenzt. Einen weiterer Unterschied zum Unternehmenskontext sehen die Autoren in den eingeschränkten Möglichkeiten von Personalentscheidungen und der zeitlich begrenzten Amtsdauer der Rektoratsmitglieder, die einer Professionalisierung von Managementaufgaben entgegensteht.

Expertenkontrollen haben in professionellen Systemen wie Hochschulen konstitutiven Charakter, und die wissenschaftlichen Experten aus dem jeweiligen Fachgebiet stellen die wichtigste Referenzgruppe für Wissenschaftler dar. Die Nutzung von Expertenkontrollen für gesamtorganisatorische Leitungsaufgaben in Form von Stäben und Zentralbereichen findet sich dagegen in Hochschulen erst ansatzweise, z. B. im Bereich der Lehrevaluation.

Abschliessend fassen die Autoren drei Problembereiche des Änderungsmanagements in Universitäten zusammen: Die Generierung marktorientierter Information zur Vermittlung von Änderungsimpulsen, die Entwicklung kompetenter und durchsetzungsfähiger Leitungseinheiten und die Schaffung einer Anreizbasis für das zielkonforme Handeln zentraler Leitungseinheiten sowie der verantwortungsvollen Wahrnehmung der individuellen Autonomie.

Als Resümee ihrer Untersuchung sehen die Autoren die Notwendigkeit einer umfassenden Auseinandersetzung mit den Unzulänglichkeiten der vorherrschenden Strukturen staatlicher Organisationsformen an Hochschulen, um Rahmenbedingungen für ein leistungsfähiges Änderungsmanagement an Hochschulen zu schaffen.