Schröder, Rudolf; Wankelmann, Dirk (2002)
Theoretische Fundierung einer e-Learning Didaktik und der Qualifizierung von e-Tutoren
Review by: Hasanbegovic, Jasmina (2005-07-18)
Zielsetzung des im Rahmen des Leonardo-Projektes „Europäischer e-Tutor“ entstandenen Arbeitsberichtes ist die theoretische Fundierung einer eLearning Didaktik und der daraus resultierenden Anforderungen an e-Tutoren für die Ableitung eines Qualifizierungsprogrammes als Erweiterungskonzept der Berufsgruppe der Erwachsenen- und Weiterbildner.
Nach einer begrifflichen Präzisierung von eLearning stellen die Autoren didaktisch-methodische Gestaltungsvarianten vor. Ausgehend von einer Differenzierung der Gestaltungsmöglichkeiten auf der methodischen Mikro- und Makroebene entsteht eine Gestaltungsmatrix, die auf der methodischen Mikroebene Sozialformen der Zusammenarbeit zwischen den Lernenden und Lehrenden thematisiert und als Teleteaching, Teletutoring und Telekooperation ausweist. Auf der Makroebene werden grundsätzliche methodische Möglichkeiten zur Gestaltung von eLearning Angeboten unter den Aspekten der zeitlichen Strukturierung und Kombinationsmöglichkeiten virtueller und Präsenzphasen eingehend vorgestellt. Die zeitliche Strukturierung lässt sich dabei entlang eines Kontinuums zwischen zeitlich strukturiertem Kurskonzept und offenem Telelernen darstellen.
Ausgehend von den geänderten Anforderungen im Vergleich zum Präsenzunterricht werden Handlungsfelder eines e-Tutors herausgearbeitet, die die operative Durchführung von eLearning Massnahmen als auch die Konzeption und das finanzielle Management entsprechender Massnahmen beschreiben. Die Durchführung wird unter den Handlungsfeldern „Lernen telekommunikativ begleiten“ und „Telekommunikative Lehrgänge organisieren“ zusammengefasst, die in das Qualifizierungsprofil des TeleTutors der Wirtschaft münden. Das Qualifizierungsprofil des TeleCoach der Wirtschaft beinhaltet darüber hinaus die Handlungsfelder „Online-Massnahmen konzipieren und Medien erstellen“ und „Online-Massnahmen planen und Teilnehmer akquirieren“.
Schliesslich beschreiben die Autoren die Kompetenzen eines eTutors, indem sie zunächst auf bedeutungsvolle Persönlichkeitseigenschaften (Soft Skills) verweisen. Weiterhin werden die als Hardskills gefassten Kompetenzen präzise dargestellt (u. a. Medienkompetenz, didaktisch-methodische Kompetenz, Kompetenz zur Unterstützung des selbstgesteuerten Lernens, Kompetenz zur Unterstützung kooperativer Lernformen, Sozial-kommunikative Kompetenzen).
Der Artikel führt auf der Basis fundierter Theoriearbeit in grundlegende Handlungsfelder eines e-Tutors ein. Dabei wird der Versuch unternommen, unterschiedliche Gestaltungsvariationen mittels einer Gestaltungsmatrix zu strukturieren und zu klassifizieren. Hierbei ist schwer nachzuvollziehen, warum die zeitliche Strukturierung und die Verzahnung von virtuellen und Präsenzteilen eindeutig der makromethodischen Ebene zu zuordnen sind. Darüber hinaus werden im Artikel auch nicht-methodische Handlungsfelder angesprochen, die die Matrix auch beinhalten sollte. Auch ist nicht ganz ersichtlich, warum auf der mikromethodischen Ebene nicht Aktionsformen (bspw. Aktionsformen darbieten, erarbeiten lassen und/oder eLehraktionsformen eCoaching, eTutoring, eModeration) Eingang finden, deren Fokussierung gerade in Blended Learning Szenarien erforderlich ist.
Interessant wäre in diesem Zusammenhang, welche Rolle die Gestaltungsmatrix für die Formulierung der Lernziele des Curriculums für die Ausbildung zum e-Tutor innehat und wie die abstrakt formulierten Kompetenzfelder in Lernziele für die Ausbildungskonzeptualisierung umgesetzt werden. Weitere Spezifika hinsichtlich der Domäne betriebliche Weiterbildung und die europäische Dimension der Ausbildung wecken die Neugierde vor dem Lesen, die aber in diesem Artikel kaum thematisiert werden.
Die didaktische Gestaltung von eLearning Szenarien mündet insgesamt in zahlreiche Kompetenzfelder, die dieser Artikel sehr gut herausarbeitet und er somit als Grundlage für jede eLehrkompetenzanalyse herangezogen werden kann.