vom Brocke, Jan; Buddendick, Christian; Schneider, Diana (2007)
Handlungskompetenz im E-Learning: Ein theoretischer Bezugsrahmen zur Kompetenzentwicklung von Lehrenden an Hochschulen
In Breitner, Michael; Bruns, Beate; Lehner, Franz (Eds.), Neue Trends im E-Learning. Aspekte der Betriebswirtschaftslehre und Informatik, pp. 415–426
Google this publication · ScholarGoogle this publication · Google its collection · ScholarGoogle its collection · Find collection at Amazon.com
Related Topics: Pedagogy
Review by: Gebhardt, Anja (2008-08-20)
Vor dem Hintergrund zunehmenden Wettbewerbs im Bildungssektor erhält das Angebot von E-Learning-Veranstaltungen für Hochschulen herausragende Bedeutung. Demgegenüber belegen aktuelle Studien jedoch, dass die Potenziale, die das E-Learning bietet, bisher weitgehend ungenutzt bleiben. Nach Ansicht der Autoren zeichnen mangelnde Kompetenzen der Hochschullehrenden in Bezug auf den sinnvollen Einsatz und die adäquate Gestaltung von E-Learning-Angeboten für diesen Missstand verantwortlich. Die Verfasser folgern daher, dass ein entsprechender Kompetenzaufbau auf Seiten der Dozenten/innen unabdingbar ist. Aufgrund dessen verfolgt der Beitrag die Intention, auf Basis betriebspädagogischer Kompetenzmodelle und kognitionswissenschaftlicher Theorien ein Handlungskompetenzmodell zu generieren, welches als Fundament für die Kompetenzvermittlung und die Ableitung angemessener Lerninhalte fungieren kann.
Einleitend werden im Artikel zunächst grundlegende Begriffe und Konstrukte erörtert. Der soziale, der kausale und der finale Handlungsbegriff werden vorgestellt und eine vorgeschlagene integrierte Betrachtung aller drei Perspektiven wird thematisiert. Gleichermassen werden verschiedenartige Definitionen des Begriffes Kompetenz näher eruiert.
Wesentlich im Hinblick auf die angestrebte Zielstellung des Beitrages ist es, Ansatzpunkte für die Vermittlung von Handlungskompetenz zu gewinnen. In diesem Kontext analysieren VOM BROCKE, BUDDENDICK und SCHNEIDER Mechanismen der Handlungsregulation. Die Autoren fokussieren sich dabei auf die so genannte PSI-Theorie, den sie als zentralen Ansatz in diesem Zusammenhang kennzeichnen. Dieser Theorie zufolge erfordert Handeln Kompetenzen in den Teilprozessen Zielbildung, Wissensanwendung und Wahrnehmung.
Anschliessend werden exemplarisch drei betriebspädagogische Konzepte zur Handlungskompetenz näher beleuchtet. Sowohl die Handlungskompetenzmodelle nach SCHÄFFER und FAIX/LAIER als auch das Kompetenzmodell nach HÜLSHOFF können hinsichtlich der aus der PSI-Theorie abgeleiteten Erfordernisse als unzureichend eingestuft werden, da sie zwar Ansatzpunkte, aber kein umfassendes theoretisches Fundament für die Ableitung von Massnahmen zur Kompetenzentwicklung bereit stellen.
Angesichts dieser Defizite erarbeiten die Autoren ein eigenes theoretisches Handlungskompetenzmodell, dass als Basis für die Ableitung von Massnahmen zur Kompetenzvermittlung für das E-Learning zu Rate gezogen werden kann. Das Modell vereint Erfordernisse der PSI-Theorie und Grundideen der vorgestellten Kompetenzmodelle in sich. Neben den vier zentralen Kompetenzfeldern der Handlungskompetenz (Fachkompetenz, Persönlichkeitskompetenz, Methodenkompetenz und Soziale Kompetenz) werden relevante Umweltbedingungen (Organisation, Technologien, Situation) als Rahmen in die Betrachtung einbezogen.
Die Vermittlung von Handlungskompetenz setzt die Auswahl geeigneter Lerninhalte voraus. Für diesen essenziellen Arbeitsschritt liefern die Autoren einen dreidimensionalen Bezugsrahmen. Während die erste Dimension die vier Kompetenzfelder des zuvor generierten Handlungskompetenzmodells aufgreift, bezieht sich die zweite Dimension auf einzelne Teilprozesse einer Lehrveranstaltung und kategorisiert in Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung. Ergänzend dazu wird die organisatorische Umsetzung der Kompetenzvermittlung in der dritten Dimension erfasst. Hier erfolgt die Einteilung in Informationsveranstaltung, Schulung und Beratung. Die Auswahl geeigneter Lerninhalte, die die Kompetenzvermittlung unterstützen können, wird anhand dieses dreidimensionalen Bezugsrahmens strukturiert. Für die Teilprozesse Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von E-Learning-Veranstaltungen werden jeweils beispielhaft Lerninhalte aufgezeigt, mit deren Hilfe die Persönlichkeits-, Fach-, Methoden- und Soziale Kompetenz erworben werden können. In diesem Zusammenhang kann exemplarisch auf die Aneignung juristischer Restriktionen verwiesen werden, die bei der Vorbereitung von E-Learning-Veranstaltungen eine Rolle spielt und der Ausprägung von Fachkompetenz zuträglich ist. Des Weiteren setzen die Autoren diese Empfehlungen mit der dritten Dimension des Bezugsrahmens in Verbindung. Demnach ist es z. B. ratsam, die Vermittlung von Faktenwissen in Form von Informationsveranstaltungen zu gestalten oder Schulungen für das Training der Methodenkompetenz zu nutzen.
Resümee des Artikels ist, dass "durch ein differenziertes Angebot von unterschiedlichen Veranstaltungen, in denen die vorgestellten Lerninhalte umgesetzt werden, […] die Handlungskompetenz im E-Learning gefördert werden" (S. 425) kann.
Abschliessend wird betont, dass die Ausrichtung auf einzelne Kompetenzen als unzureichend zu bewerten ist. Vielmehr gilt es alle Kompetenzfelder aufeinander abzustimmen und darüber hinaus die Bereitschaft zum Einsatz von E-Learning in Lehrveranstaltungen zu fördern. Die theoretischen Überlegungen bedürfen einer empirischen Untermauerung, so dass zukünftige Arbeiten die Erfolgswirkungen der Kompetenzentwicklung im E-Learning an Hochschulen in den Blick nehmen sollten.