Busch, Frank; Mayer, Thomas B. (2002)
Der Online-Coach
Beltz
Review by: Kahnwald, Nina (2005-11-07)
Für die Autoren des im Beltz-Verlag erschienenen Buches steht die Praxis im Vordergrund. Zwar werden auch Hintergründe erläutert und Definitionen vermittelt, im Fokus ist dabei jedoch immer die Anwendbarkeit in der Praxis.
Die Kapitel 1-3 führen in das Thema ein, indem sie die durch neue Lernformen veränderte Weiterbildung und die neue Rolle des Trainers in diesen Lernumfeldern beschreiben. Auch in diesem für viele Leser sicherlich schon bekannten Teil finden sich durch den konsequenten Bezug auf die Praxis bereits viele wertvolle Hinweise und Tipps. So werden beispielsweise neue Lernformen und Medien wie Newsgroups, Chat und Application Sharing im zweiten Kapitel nicht nur vorgestellt, sondern es wird zugleich thematisiert, für welche Lern-Situationen sie sich am besten eignen und welche Meta-Botschaft der Einsatz einzelner Medien für den Lernenden haben kann.
Im dritten Kapitel werden die neuen Arbeitsfelder und die Rolle des Online-Tutors vorgestellt und in Anlehnung an Rautenstrauch ein Kompetenzprofil entwickelt. Besonders wichtig ist nach Auffassung der Autoren die Sozialkompetenz und die Fähigkeit, selbst gesteuertes Lernen unterstützen zu können.
Mit dem vierten Kapitel erfolgt dann endgültig der Einstieg in die Tutoren-Praxis. Es enthält eine ausführliche Beschreibung und Besprechung unterschiedlichster Online-Methoden. Klassifiziert werden diese durch die Autoren nach dem sogenannten ZIMTT-Modell, mit dem für jede Methode ein Profil erstellt wird, in dem Zeitbedarf, Interaktivität, Methodischer Anspruch, Trainerrolle und Technik von niedrig bis hoch bzw. einfach bis kompliziert eingeschätzt werden. Der Leser erhält so einen schnellen Überblick über die geforderten eigenen Kompetenzen sowie die Anforderungen an Lerner und Technik. Im folgenden fünften Kapitel wird das Vorgehen bei der Planung einer Online-Einheit thematisiert und in einzelnen Aspekten detailliert beschrieben. Neben der Bestimmung von Lernzielen und Bedürfnissen der Zielgruppe wird ein Phasenmodell des Online-Coaching vorgestellt, das auf die Entwicklung und die jeweiligen Bedürfnisse des Lernenden und der sich bildenden Gruppe ausgerichtet ist. Die aus der Praxiserfahrung abgeleiteten Phasen Initialisierung, Integration, Transaktion, Transformation und Terminierung werden ausführlich beschrieben und die kritischen Faktoren herausgestellt. Zudem werden jeweils notwendige Interaktionen mit dem Einzelnen und der Gruppe und geeignete Methoden für die jeweilige Phase vorgestellt. Abschließend wird in diesem Kapitel die Konzeption von Blended-Learning-Kursen kurz umrissen.
Kapitel sechs widmet sich der schwierigen Aufgabe, die Motivation der Lernenden während eines Online-Kurses aufrecht zu erhalten. Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der Feststellung individueller Bedürfnisse und Lernstile der Teilnehmenden. Auch der gezielte Einsatz von Symbolen und Metaphern wird als eine Möglichkeit thematisiert, Lernumgebungen menschlicher zu gestalten und die magere Online-Umwelt mit Bedeutung, Humor und Gefühlen anzureichern. Den Abschluss des Kapitels bilden Praxistipps der Leiterin des „Tele-Tutor-Trainings“ an der FH Furtwangen.
Im siebten Kapitel werden zunächst theoretisch psychologische Grundlagen und Besonderheiten virtueller Kommunikation behandelt, bevor auf die Diagnose von eventuell auftretenden Problemsituationen und die Interventionsmöglichkeiten des Online-Coaches eingegangen wird.
Das knappe achte Kapitel schildert mittels einer Fallstudie die Arbeit eines Online-Coaches der Open University Business School und hält die praktischen Hinweise aller vorangegangenen Kapitel in Form von Checklisten bereit.
Fazit: Das Buch ist äußerst übersichtlich gegliedert und gestaltet. Es verbindet eine ausgeprägte Praxisnähe überzeugend mit der Diskussion von theoretischen Hintergründen – eine gelungene Mischung! Besonders angehenden Online-Tutoren, aber auch Personalern und Weiterbildungsverantwortlichen kann „Der Online-Coach“ wärmstens empfohlen werden.