Ehlers, Ulf-Daniel (2004)
Qualität im E-Learning aus Lernersicht
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Review by: Euler, Dieter (2004-12-20)
Ehlers entwickelt in seiner Dissertationsschrift ein Qualitätsmodell aus der Perspektive von Lernenden in der Weiterbildung. In einer zweistufigen Befragung entsteht ein Modell aus sieben Qualitätsfeldern (Tutorielle Betreuung, Kollaboration, Technologie, Kosten-Erwartungen-Nutzen, Informationstransparenz beim Anbieter, Kursverlauf, Didaktik) und 30 Qualitätsdimensionen. Diese bilden die Grundlage für eine Unterscheidung von insgesamt vier Typen von Lernenden, die sich durch je spezifische Ausprägungen der Dimensionen auszeichnen (Individualist, Ergebnisorientierte, Avantgardist, Pragmatiker).
Die Arbeit gliedert sich in drei Teile:
- Im Rahmen der Klärung grundlegender Begriffszusammenhänge wird insbesondere das breite Verständnis von E-Learning dargestellt und diskutiert. Kern der theoretischen Erörterung bildet jedoch eine Skizzierung und Diskussion der Qualitätsforschung im E-Learning.
- In einem zweiten Teil wird die Methodologie der Studie dargelegt und auf diese Weise die Interpretation der Ergebnisse erleichtert.
- Im dritten Teil werden mit dem „Modell subjektiver Qualität“ und der Typologie von Lernenden die empirischen Befunde dargestellt.
Angesichts der vielfältigen Vorschläge in der Literatur, die Qualität von E-Learning auf den verschiedenen Ebenen (z. B. Lernsoftware, E-Learning-unterstützte Kurse oder Programme) zu bestimmen, besteht das besondere Merkmal dieser Arbeit in der empirischen Fundierung des entwickelten Qualitätsmodells. In einem ersten Schritt werden über eine Triangulation verschiedener Methoden insgesamt 58 E-Learning-Anwender befragt. E-Learning wird dabei verstanden als onlinegestütztes, intentionales Lernen in einem Umfang von mindestens 10 Stunden Lernzeit (S. 149). Ergebnis der Befragung ist ein Inventar von Qualitätsfaktoren, das in einen Onlinefragebogen überführt und von insgesamt 1944 Online-Lernenden in der Weiterbildung beantwortet wird. Im Ergebnis entsteht das erwähnte Modell subjektiver Qualität mit den sieben Qualitätsfeldern und 30 Dimensionen (S. 240). Auf dieser Grundlage werden die Qualitätsdimensionen in einer Clusteranalyse zu Profilen verdichtet und in vier Anwendertypen unterteilt (S. 258ff, 327).
Das Buch liefert einen Beitrag zur Fundierung von Qualitätssystemen aus einer spezifischen Perspektive. Damit sind seine Potenziale, zugleich aber auch seine Grenzen benannt. Die Lernerperspektive bietet wertvolle Hinweise für die Gestaltung und Einschätzung von Faktoren zur Förderung des Lernens und der Akzeptanz der Anwender von E-Learning-Angeboten. Zugleich stellen die Lernenden nur eine Anspruchsgruppe dar, d. h. die Gestaltung umfassender Qualitätssysteme ist zumeist gehalten, über den untersuchten Rahmen hinaus zu gehen.