Zawacki-Richter, Olaf (2004)
Organisationsstrukturen für e-Learning Support: Eine Analyse aus internationaler Sicht
In Euler, Dieter; Seufert, Sabine (Hrsg.), E-Learning in Hochschulen und Bildungszentren. Gestaltungshinweise für pädagogische Innovationen, Seiten 1–2
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Review by: Schönwald, Ingrid (2004-08-18)
Dieser Artikel betrachtet die Probleme und Hemmnisse beim Aufbau von Supportstrukturen zur Förderung von e-Learning an Hochschulen.
Zunächst führt Zawacki-Richter das Verhältnis von e-Learning und Distance Learning ein, wobei er Distance Learning als Oberbegriff für medienvermitteltes Learning versteht. Der Autor postuliert, dass Erfahrungen aus der Fernstudiendidaktik und Strategien der Fernstudiensysteme wichtige Erkenntnisse für eLearning darstellen, da die medienvermittelte Lehre im Fernstudium traditionell eine zentrale Rolle darstellt.
Zawacki-Richter geht in seiner weiteren Betrachtung von einem umfassenden Supportverständnis aus, das Support über die mikrostrukturelle Handlungsebene des Lernens und Lehrens hinaus als Schaffung von günstigeren administrativ-institutionelle Rahmenbedingungen zur Förderung und Entwicklung von e-Learning sieht.
Als interessantes Praxisbeispiel stellt der Autor die Supportstrukturen der University of Pretoria vor, welche sowohl eine Präsenz- als auch eine Fernuniversität ist. Die zentrale Supporteinrichtung ist das neu gegründete Department for Telematic Learning and Education Innovation (TLEI) mit ca. 60 Mitarbeitern, die strategische und produktorientierte Aufgaben wahrnehmen. Neben dieser zentralen Einrichtung wurden für die neun Fachbereiche der Universität jeweils ein „Educational Consultant“ eingestellt, der über den gleichen fachlichen Hintergrund wie die Lehrenden verfügt. Die fachwissenschaftliche Kompetenz der Berater stellt Zawacki-Richter als wichtigen Erfolgsfaktor und Voraussetzung für die hohe Akzeptanz durch die Lehrenden heraus. Ein interessanter Aspekt bei diesem Organisationsmodel ist zudem, dass sich mit den „Educational Consultants“ ein neues Berufsbild an Hochschulen herausbildet.
Da die Akzeptanz der Lehrenden eine entscheidende Rolle für die Modernisierung der Lehre mit neuen Medien darstellt, diskutiert Zawacki-Richter Hemmnisse und mögliche Anreize für die Lehrenden. Dabei unterscheidet er zwischen ungünstigen institutionellen Rahmenbedingungen und persönlichen Einstellungen sowie Selbstverständnisse der Lehrenden. Zawacki-Richter betont, dass eine professionelle Gestaltung medienbasierter Lehre einen arbeitsteiligen und systemischen Prozess erfordert, wozu jedoch ein struktureller Wandel an deutschen Hochschulen notwendig sei.
Als weiteren wichtigen Gestaltungsbereich stellt Zawacki-Richter die aufbauorganisatorische Gliederung und hierarchische Verankerung der Supportstrukturen anhand einer Klassifikation von Kerres und Umsetzungsbeispielen an deutschen Hochschulen dar.
Damit gibt dieser Buchbeitrag eine Übersicht über zentrale Gestaltungsfelder beim Aufbau von Supportstrukturen an Hochschulen. Mit der Darstellung der Supporteinheiten an der University of Pretoria wird ein interessantes Umsetzungsbeispiel präsentiert, das top-down und bottom-up Ansätze verbindet.