Fricke, Reiner (2002)
Evaluation von Multimedia
In Issing, Ludwig J.; Klimsa, Paul (Hrsg.), Information und Lernen mit Multimedia und Internet, Seiten 445–466
Google this publication · ScholarGoogle this publication · Google its collection · ScholarGoogle its collection · Find collection at Amazon.de
Related Topics: Quality: General Research
Review by: Hasanbegovic, Jasmina (2004-07-22)
Die Vieldeutigkeit der Begrifflichkeiten Evaluation und Multimedia erschweren eine systematische Bewertung von computer- und medienunterstützten Instruktionsprogrammen. Fricke stellt in seinem Artikel Aufgaben der Evaluationsforschung in Bezug auf multimediale Lernumgebungen vor, indem er verschiedene Evaluationsmodelle und gar ein eigenes Paradigma zur Konstruktion und Evaluation multimedialer Lehr- Lernumgebungen einführt.
Mit der Beschreibung des Begriffes Multimedia beginnend, deutet der Autor bereits ein Paradigma in der Evaluation von Multimedia an, da nicht mehr das Medium, sondern das System im Mittelpunkt der Betrachtung steht und Interaktivität- als zentrales Merkmal von Multimedia – als Methoden – und nicht als Medienvariable aufgefasst werden muss.
Ausgehend von der Instruktionsdesigntheorie Reigeluths erläutert Fricke deskriptive und präskriptive Ansätze des Instruktionsdesigns, um in einem nächsten Schritt Implikationen für die Evaluationsforschung abzuleiten.
Nach einer kurzen Einführung in die vier zentralen Bestimmungselemente von Evaluation, eine Vorstellung des allgemeinen Evaluationsmodells CIPP von Stufflebeam beschreibt Fricke schliesslich die Besonderheiten der Evaluation als Qualitätssicherung im Konstruktionsprozess multimedialer Instruktionssysteme. Er betont dabei vor allem den ganzheitlichen Ansatz, der als iterativer Prozess Instruktionsdesign, Instruktionsentwicklung, Instruktionsimplementierung und Instruktions-management involviert. Das Paradigma zur Konstruktion und Evaluation multimedialer Lehr- Lern- Umgebungen beinhaltet neun unterschiedliche Evaluationsformen, welche im Rahmen der Planung, Konstruktion und ständigen Verbesserung multimedialer Instruktionssysteme einsetzbar ist und durch welches Mängel bereits durchgeführter Evaluationsprojekte aufgedeckt und widersprüchliche Evaluationsergebnisse entdeckt werden können.
Fricke kritisiert zu Recht die Vernachlässigung des präskriptiven Evaluationsansatzes, welcher Lernergebnisse, Lernervoraussetzungen und Lernthemen als unabhängige Variablen definiert und als Medienkonstruktionsansatz zur Entwicklung von Lehrtheorien beitragen kann. Von besonderer Relevanz ist die jeweilige Qualitätssicherung der Evaluationsansätze, die allgemeine Standards der Sozialforschung wie auch Lehr- Lerntheorien als Richtlinien miteinbeziehen muss. Abschließend diskutiert Fricke die zunehmende Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit und die Operationalisierung aller Variablen des Paradigmas als Konsequenzen aus dem neuen Evaluationsverständnis.
Der Artikel wirft die nach wie vor aktuellen Probleme wie bspw. die oberflächlichen Methoden in der Evaluationsforschung auf und deutet mit Recht auf die Defizite in der präskriptiven Evaluationsforschung. Neben der Beschreibung der Evaluationsformen wäre die methodische Durchführung noch anzuführen und in diesem Zusammenhang das Zusammenspiel quantitativer und qualitativer Methoden expliziter zu behandeln. Die Betonung der Systemkomponente und des iterativen Ansatzes bei der Evaluation multimedialer Instruktionssysteme erlaubt es noch nicht von einem Paradigma zu sprechen, vielmehr geht es darum, eine integrative Evaluationsmethodik in das Feld des multimedialen Lernens zu implementieren.